Das hochgelobte Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM ist dieses Jahr gleich zweifach bei uns eingezogen und hat unser Sigma 150-600mm Sports ersetzt. Aber wie gut ist das Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM in der Praxis wirklich? Ist es den hohen Preis wert und welche Unterschiede merkt und sieht man tatsächlich beim Fotografieren? Wir haben einen ausführlichen Test gemacht!
In diesem Beitrag
Das perfekte Teleobjektiv
Die Frage nach dem perfekten Teleobjektiv beschäftigt jeden Naturfotografen, der auch Tiere fotografiert. In der Wildtierfotografie ist ein Objektiv mit möglichst viel Brennweite gefragt, das einen hervorragenden Autofokus und schönen Bildlook bei exzellenter Schärfe liefert und dabei noch möglichst lichtstark ist. Um flexibel zu bleiben und auch ohne Stativ fotografieren zu können, sollte es nicht zu viel wiegen und auch ein guter Bildstabilisator zum Fotografieren in der Dämmerung steht bei vielen Tierfotografen hoch auf der Liste. Wie immer möchten wir all das zu einem möglichst niedrigen Preis.
Wie immer in der Objektivwahl gibt es diese eierlegende Wollmilchsau nicht. Hervorragende Objektive für die Wildtierfotografie sind Festbrennweiten: diese vereinbaren exzellente Bildqualität und Lichtschärfe. Die Nachteile sind das hohe Gewicht und der Preis (im Telebereich eigentlich immer fünfstellig). Gerade diejenigen unter uns, die das Teleobjektiv auch oft mit auf Reisen nehmen wollen (Handgepäck-Bestimmungen!) und/oder nicht Krösus oder Berufs-Tierfotografen sind, schauen daher auch nach den flexibleren (und günstigeren sowie leichteren) Zoomobjektiven. Diese sind insbesondere auch dann attraktiv, wenn wir immer wieder verschiedene Tiere fotografieren und daher gerne mehrere Brennweiten in einer vereinen.
Hinweis: Wir haben unseren beiden Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM selbstgekauft und selbstbezahlt und haben keinerlei Kooperation mit Canon, unser Test ist also völlig unabhängig.

Das Canon RF 100-500mm – Allgemeine Infos
Warum das Canon RF 100-500mm?
Es wird wohl noch dauern, bis Canon am neuen RF-Mount so üppig ausgestattet ist wie mit der großen Objektivauswahl für den EF-Mount. Den ersten Schritt für ein hochwertiges Telezoom machte Canon dann Ende 2020 mit dem Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM, das noch heute – fünf Jahre später – als eines der besten Telezooms auf dem Markt und als das beste von Canon gilt.
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Der Preis von über 3000 € (immer noch!) sowie die ehrlich gesagt eher maue Anfangsblende von 7.1 bei 500mm sorgen aber auch für Kritik und haben auch uns lange Zeit vom Kauf des Objektivs abgehalten. Das Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG OS HSM Sports hält immerhin mit 100mm mehr Endbrennweite sowie einer offeneren Blende im hohen Brennweitenbereich dagegen und kostet nur etwa halb so viel! Muss es also wirklich das Canon RF 100-500mm sein? Für uns als Gelegenheits-Wildlife-Fotografen war die Antwort lange: Nein.
⇨ Unser Praxistest des Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG OS HSM Sports

Bis Anfang 2025 haben wir daher mit dem Sigma 150-600mm Sports fotografiert und es hat uns großartige Fotos beschert. In unserem oben verlinkten Test liest du, warum uns das Objektiv sehr überzeugt hat – insbesondere auch hinsichtlich der Schärfe, auf die wir wirklich großen Wert legen!
Seit 2024 hat bei uns die Wildtierfotografie dann stark zugenommen. Wir sind mittlerweile beruflich nicht nur jedes Jahr mehrere Monate im Dschungel in Panama unterwegs, sondern auch in Patagonien und Alaska, beides fantastische Ziele für die Tierfotografie. Auch auf dem Amazonas und in Finnland waren wir dieses Jahr schon für die Tierfotografie, neue Ziele für nächstes Jahr sind bereits gebucht. Und wie es so ist, wenn man viel in einem Feld fotografiert, wird man besser, anspruchsvoller und hat immer öfter auch sehr schwierige Motive vor der Linse. Unser Telezoom wurde für uns von einem Objektiv, das wir eben dabei hatten und auf manchen Reisen intensiver nutzen zu einem Objektiv, das den Großteil unserer Fotos machte und auf einer unserer Kameras mittlerweile fast fest verbaut zu sein schien. Und bei dem wir dann an seine Grenzen kamen.
Das Sigma ist noch immer ein gutes und qualitativ hochwertiges Objektiv, das wir gerne empfehlen – insbesondere mit dem extrem guten Preis-Leistungsverhältnis. Fakt ist aber auch, dass es wirklich schwer ist, und – leider – dass der Autofokus in manchen Situationen zu langsam ist. Es wurde Zeit für uns, uns nach einem neuen treuen Begleiter im Telebereich umzusehen. Zeit für uns, Canons „Telezoom-Juwel“ zu testen.

Hinweis: Wie immer in unseren Praxis-Tests gehen wir in diesem Artikel nicht ausführlich auf Datenblätter und Laborwerte ein, sondern berichten über die Werte und Eigenschaften, die für uns als Fotografen in der Praxis tatsächlich relevant sind.
Spezifikationen des Canon RF 100-500mm
Brennweite
Ein wichtiger Punkt des Canon RF 100-500mm ist für uns zunächst der Brennweitenbereich. Dieser ist sehr flexibel, reicht im Gegensatz zu unserem Sigma aber nur bis 500mm, nicht bis 600mm. Enttäuschend, denn sowohl Sonys auch auch Nikons High-End-Telezooms bieten die 600mm als Endbrennweite (Sony FE 200-600mm f/5.6-6.3 sowie Nikkor Z 180-600 f/5.6-6.3). Was soll das also? Der einzige Grund, aus dem wir die 500mm bei Canon in Kauf nehmen, ist schlicht, weil wir es müssen: Canon bietet für den RF-Mount bisher kein Telezoom bis 600mm Brennweite. Natürlich bewerben sie für das RF 100-500mm die Verwendung eines Telekonverters, aber ganz ehrlich, was möchte man bei der 7.1-Offenblende im hohen Brennweitenbereich noch groß konvertieren? Ein Telekonverter verlängert nicht nur die Brennweite, sondern verringert auch die Offenblende und das können wir bei diesem Objektiv wirklich nicht noch gebrauchen.
Das Canon RF 100-500mm ist hinsichtlich der Brennweite auf dem Papier für uns zunächst also eher enttäuschend. In der Praxis stellten wir dann aber schnell fest: Ehrlich gesagt fehlen uns die 100mm Brennweite am oberen Ende kaum. 600mm hätten wir zwar lieber, aber im Endeffekt ist ja beides immer zu kurz und wir croppen sowieso in die meisten Tierfotos rein. Durch die hohe Auflösung unserer Canon R5 II ist dies auch recht gut möglich – übrigens der Hauptvorteil für uns für die Canon R5-Reihe gegenüber der Canon R6-Reihe! Ein direkter Vergleich der 600mm am Sigma und der 500mm am Canon zeigt dann auch, dass die 100mm in diesem hohen Brennweitenbereich zwar nicht nichts, aber doch überraschend wenig ausmachen.
Kaum bedacht hatten wir beim Kauf des Canon RF 100-500mm den unteren Brennweitenbereich. Erst beim Fotografieren in der Praxis merkten wir, wie sehr wir es zu schätzen wissen, plötzlich auf 100mm runterzukommen statt wie vorher auf 150mm. Wir sind hier plötzlich überraschend flexibel und nutzen unser Canon 70-200mm kaum noch, welches wir vorher oft als Ergänzung an der zweiten Kamera dabei hatten! Nicht nur Tiere, die unerwartet nahe kommen (Stichwort: Ziesel), können wir damit sehr gut ablichten, sondern auch öfter mal ein Tele-Landschaftsfoto zwischendurch machen, wofür wir bislang immer auf das Canon 70-200mm zurückgegriffen hatten. So sehr wir uns vorher Gedanken darum gemacht haben, müssen wir daher in der Praxis zugeben: Der Brennweitenbereich von 100-500mm passt uns überraschend gut und das (in der Praxis tatsächlich nur minimale) Ärgernis am oberen Ende wird für uns durch den Gewinn unten wieder voll wett gemacht.

Lichtstärke
Die Offenblende von f/4.5 bis f/7.1 ist für uns auch in der Praxis noch ein Nachteil des Canon RF 100-500mm, auf den wir gerne verzichtet hätten. Fakt ist aber auch, dass nur das Sparen an der Lichtstärke das Objektiv so kompakt und leicht macht. Lichtstärker geht es bei Canon aktuell (Ende 2025) in diesen hohen Brennweitenbereichen leider nur mit Festbrennweiten.
Weitere Spezifikationen
Das Canon RF 100-500mm verfügt über einen 5-Stufen-Bildstabilisator, der verwacklungsfreie Aufnahmen aus der Hand auch bei wenig Licht ermöglichen und somit die schwächere Lichtstärke etwas ausgleichen soll. Wie fast alle Canon L-Objektive ist es gegen Staub und Spritzwasser gut abgedichtet, also für den robusten Außeneinsatz konzipiert, was für uns in der Praxis enorm wichtig ist. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,9m – für ein Teleobjektiv ist das fantastisch und sehr schön für ein paar Gelegenheitsmakros (Vergleich Naheinstellgrenze des Sigma 150-600mm Sport: 2,6m!).
Der riesige Vorteil des Canon RF 100-500mm gegenüber anderen Telezooms ist die kompakte Bauweise und insbesondere das vergleichsweise deutlich geringere Gewicht. Das Objektiv ist 208mm lang und 1.525g schwer. Dieses macht beim Fotografieren in der Praxis tatsächlich einen gewaltigen Unterschied und ist so auch nur bei Canon zu bekommen.
| Objektiv | Größe | Gewicht |
|---|---|---|
| Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM | 94 x 208 mm | 1.525 g |
| Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG OS HSM Sports | 121 x 290 mm | 2.860 g |
| Nikkor Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR | 110 x 316 mm | 1.955 g |
| Sony FE 200-600mm f/5.6-6.3 | 111 x 318 mm | 2.225 g |
Das Canon RF 100-500mm ist also nicht nur 8 bis 10 Zentimeter kürzer als die vergleichbaren Telezooms der Konkurrenz, es ist auch deutlich leichter als alle anderen. Es ist nur gut halb so schwer wie das Sigma, und gegenüber dem vergleichsweise auch schon recht leichten Nikkor Z 180-600mm wiegt es immerhin noch ein knappes halbes kg weniger – dabei ist zu beachten, dass das Nikkor nicht aus der „Luxus-Linie“ von Nikon stammt, also weniger hoch vergütet ist als das Canon. In der Praxis ist das ein echt relevanter Gewinn und für uns mit der größte Pluspunkt des Canon RF 100-500mm, insbesondere natürlich auch auf Reisen.
Den Kompaktheits- und Gewichtsvorteil des RF 100-500mm lässt sich Canon gut bezahlen. Die aktuelle (Ende 2025) UVP des Objektivs beträgt noch immer satte 3.299,00 €. Ja, da schielt man dann wiederum neidisch zu den anderen Herstellern.


Lieferumfang des Canon RF 100-500mm
Geliefert wird das Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM mit einer Stativschelle, der Gegenlichtblende, beiden Objektivdeckeln sowie einer Objektivtasche und der Anleitung.
Der Objektivdeckel verfügt über ein aufschiebbares Loch, dieser soll das Drehen eines aufgeschraubten Polfilters erleichtern. Viele Kollegen loben dieses neue Feature, uns selbst stört es eher, da wir bei der Montage der Gegenlichtblende immer darauf achten müssen, dass das Loch unten ist und so die Linse besser vor Spritzwasser geschützt ist. Einen Polfilter verwenden wir persönlich am Telezoom kaum und wenn, dann immer ohne Gegenlichtblende, die uns auch mit Loch noch stört. Hier muss man also klar von Geschmacksache sprechen. Schlimm ist das Loch nicht, aber könnten wir es uns aussuchen, würden wir eine Gegenlichtblende ohne kaufen.
Die Stativschelle ist abnehmbar und bei unseren beiden Objektiven aktuell demontiert, da wir auf Grund des geringen Gewichts des Objektivs bisher immer aus der Hand fotografiert haben. Wir können ihre Qualität daher bisher nicht beurteilen, Kollegen kritisieren jedoch, dass sie nicht fest genug arretiere.

Das Canon RF 100-500mm im Praxis-Test: Testbereich 1 – Verarbeitung und Ausstattung
Erster Eindruck und Ausstattung des Objektivs
Wie bei allen Canon L-Objektiven ist der erste Eindruck des Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM exzellent. Es ist sehr hochwertig verarbeitet, vielfach gegen Staub und Wasser abgedichtet und für ein Telezoom wirklich angenehm kurz und leicht.
Das Objektiv verfügt über 4 Einstellringe: Einen frei belegbaren Control-Ring, einen Fokusring, den Smooth-Tight-Ring, mit dem man den Widerstand des Zoomrings einstellen kann und schließlich den Zoomring selbst.
Der stufenlos verstellbare Smooth-Tight-Ring ist für uns neu und recht hilfreich: Stellst du ihn auf tight („fest“) ist der Widerstand hoch und das Objektiv fährt nicht durch das Eigengewicht von allein einfach raus oder rein, wenn du z. B. nach unten oder oben fotografierst. Auf smooth („weich“) gestellt, lässt sich der Zoomring aber butterweich bedienen, was in der Praxis einhändig ein großer Gewinn ist.
Der frei belegbare Control-Ring befindet sich ganz hinten am Objektiv (Richtung Kamera) und kann über das Kamera-Menü mit einer Funktion belegt werden. Wir haben uns hier die Belichtungskorrektur raufgelegt, andere Fotografen nutzen ihn z. B. für den ISO. Freilich kannst du ihn auch unbelegt lassen, wenn du ihn nicht brauchst.
Neben den Einstellringen befinden sich am Canon RF 100-500mm 4 Schalter:
- Ein Fokusbereich-Begrenzer (3m bis unendlich), sodass der Bereich des Autofokus begrenzt werden kann, was diesen schneller macht.
- Der AF/MF-Schalter, um auf den manuellen Fokusmodus umzuschalten
- Der Stabilisator On/Off-Schalter
- Der Stabilisator-Modus-Schalter (1, 2, oder 3). Im normalen Modus 1 werden beide Achsen stabilisiert. Der Modus 2 stabilisiert nur eine Achse („Mitzieher-Modus“) und verhindert damit nur vertikale Verwackler, der Modus 3 aktiviert den IS nur direkt beim Auslösen. Außer für Mitzieher nutzen wir selbst immer den Modus 1.
Wie erwartet lassen sich alle Ringe sauber und präzise drehen und haben kein Spiel. Insgesamt ist die Verarbeitung des Canon RF 100-500mm sehr hochwertig, was wir bei dem Preis aber auch unbedingt erwartet haben.


Bildstabilisator
Das Canon RF 100-500mm ist mit einem 5-Stufen-Bildstabilisator ausgestattet, der verwacklungsfreie Fotos aus der Hand auch bei längeren Belichtungszeiten ermöglichen soll. Getestet haben wir dies an unseren Canon R5 Mark II Kameras, die zusätzlich noch über interne Bildstabilisatoren verfügen – und wir sind begeistert. Bei unserem Praxis-Test wurden Fotos mit 1/100 Sekunde bei 500mm noch zuverlässig scharf, bei besonderer Konzentration sogar Fotos mit 1/30 Sekunde bei 500mm aus der Hand (siehe Beispielfoto mit dem bunten Lori)! Das ist für Low-Light-Situationen schon ein ein enormer Gewinn gegenüber älteren Objektiven.
Diese drei Beispielfotos haben wir alle mit 500mm aus der Hand fotografiert (ohne Aufstützen). Trotz der vergleichsweisen langen Belichtungszeiten sind alle drei Fotos sehr scharf. Wenn du auf die Fotos klickst, siehst du sie in groß.



Bei bewegten Motiven bringt einem diese Stabilisierung nichts, weil wir dann Bewegungsunschärfe erhalten. Bei unbewegten Motiven wie unseren drei Beispielfotos aber gleicht die exzellent funktionierende Bildstabilisierung die etwas schwache Lichtstärke des Canon RF 100-500mm gut aus. Wir sind erstaunt, mit diesem Objektiv bei 500mm bei den langen Belichtungszeiten so scharfe Fotos aus der Hand fotografieren zu können!

Größe und Gewicht
Auf die geringe Größe und Gewicht des Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS sind wir bereits oben bei „Spezifikationen“ detailliert eingegangen. Wie erhofft, macht sich diese Kompaktheit im Praxistest direkt bemerkbar. Wird uns beim fast doppelt so schweren Sigma 150-600mm Sports der Arm recht schnell lahm, wenn wir länger auf Motive „lauern“ – was bei der Tierfotografie ja sehr häufig der Fall ist – können wir das Canon RF 100-500mm problemlos sehr lange halten.
An einem Tag auf unserer Fotoreise in Alaska fotografieren wir beide mit dem Objektiv über 8 Stunden aus der Hand Grizzlybären, was insbesondere für Sina vorher so nicht funktioniert hat. Die Fotos dieses Tages findest du hier: Bären in Alaska. Am nächsten Tag spüren wir zwar unsere Schultern leicht, können aber problemlos weiterfotografieren. Das Canon RF 100-500mm ermöglicht uns so Fotos, die uns früher verloren gegangen wären. Gerade Sina berichtet, dass sie mit dem Sigma 150-600mm Sports oft zwischendurch die Hand ausgeruht hat, während dies beim Canon RF 100-500mm nun gar nicht mehr nötig ist.
Auch im Fotorucksack macht sich die Kompaktheit des Canon RF 100-500mm durchaus bemerkbar. Es ist kaum noch größer als ein 70-200mm, was uns neuen Platz in unseren Fotorucksäcken verschafft und insbesondere auf Reisen extrem angenehm ist.
Vergleichen wir die Fotos, die wir mit dem Canon RF 100-500mm im letzten halben Jahr aufgenommen haben mit den Fotos, die wir in den Jahren vorher mit dem Sigma aufgenommen haben, fällt vor allem auf: Es sind mehr, und es sind bessere Momente – einfach, weil wir länger und konsequenter durchfotografieren. Allein dieser Umstand ist für uns den Aufpreis des Canon RF 100-500mm zum Sigma wert.

Verarbeitung und Ausstattung des Canon RF 100-500mm: Fazit (4,5 von 5 Sternen)

Das Canon RF 100-500mm im Praxis-Test: Testbereich 2 – Bildqualität und Schärfe
Schärfe
Die Schärfe der Fotos in der Praxis ist für uns einer der wichtigsten Faktoren bei einem Objektiv. Hierbei geht es uns nicht um Laborwerte und Testcharts, sondern tatsächlich um den Praxiseindruck. Wir fotografieren beruflich und Fotos von uns landen auf metergroßen Abzügen, sodass hier tatsächlich alles stimmen sollte – auch beim Heranzoomen auf 100%.
Da schon das Sigma 150-600mm wirklich scharfe Fotos abgeliefert hat – auch bei Offenblende und bei 600mm, waren unsere Erwartungen an das Canon RF 100-500mm vor dem Praxistest sehr hoch.
Wir haben das Objektiv an unserer Canon R5 Mark I und insbesondere an den beiden Canon R5 Mark II intensiv getestet und waren dabei ausschließlich in echten Situationen unterwegs. Unsere Testmotive waren unter anderem Ziesel und Hamster in Österreich, Grizzlys, Adler und Otter in Alaska, Bienenfresser in Sachsen-Anhalt, Bären und Wölfe in Finnland, Basstölpel und Robben auf Helgoland sowie an einem Tag diverse tropische Vögel im Zoo, um die Grenzbereiche des Canon RF 100-500mm auszureizen (siehe z. B. oben beim Punkt Bildstabilisator). Hierbei haben wir das Objektiv in sämtlichen Lichtsituationen und sowohl bei unbewegten als auch bei sehr schnellen Motiven im Nah- und im Fernbereich getestet.








Wie erwartet, performt das Canon RF 100-500mm in allen Situationen exzellent und lieferte uns in allen Testsituationen gestochen scharfe und schön kontrastreiche Fotos bis in die Bildecken. Dies gilt für alle Brennweiten und auch bei Offenblende. Insgesamt ist das Canon RF 100-500mm wohl das schärfste Zoomobjektiv, das wir je hatten und kann hinsichtlich der Schärfe sogar problemlos mit Festbrennweiten mithalten. Auch im Gegenlicht werden die Fotos sehr scharf.

Im Test: Freistellung/Hintergrundunschärfe bei dieser Offenblende?
Ein Nachteil der geringen Offenblende ist im Allgemeinen nicht nur die geringe Lichtstärke, sondern auch eine weniger schöne Freistellung/Hintergrundunschärfe. Hier hatten wir anfangs Bedenken, wie das Canon RF 100-500mm in diesem Bereich performt und wie sich die recht schwache Offenblende auf den Bildlook sowie das Bokeh auswirkt. Auch andere Fotografen fragen uns oft nach diesem Faktor, weswegen wir hier kurz darauf eingehen wollen.
Grundsätzlich ist die Hintergrundunschärfe nicht nur von der Blende, sondern insbesondere auch von zwei weiteren Faktoren abhängig:
- Der Brennweite (je höher, desto mehr Hintergrundunschärfe)
- Dem Abstand des Motivs vom Hintergrund (je größer dieser, desto mehr Hintergrundunschärfe)
Trotzdem wirkt sich die Blende auf die Hintergrundunschärfe aus. Fakt ist, dass die Freistellung des Canon RF 100-500mm auf keinen Fall an die der lichtstarken Festbrennweiten wie dem Canon RF 400mm f/2.8 oder dem Canon RF 600 f/4.0 heranreicht. Diese Objektive zaubern einen wunderschön weichen Hintergrund und sind das Nonplusultra für die ambitionierte Tier- oder Sportfotografie. Natürlich liegen diese Objektive aber auch in einer ganz anderen Preisklasse.
Verglichen mit anderen Telezooms – und nur das ist fair – finden wir die Freistellung des Canon RF 100-500mm jedoch völlig in Ordnung und auf vielen Fotos sogar erstaunlich weich und mit schönen Unschärfekreisen im Hintergrund. Im Praxistest sehen wir zum Sigma 150-600mm und auch zum Sony 200-600mm sowie zum Nikon 180-600mm keinen Unterschied.
Auf diesen Testfotos ist die Hintergrundunschärfe recht gut beurteilbar:









Unser Fazit zur Bildqualität und Schärfe (5 von 5 Sternen)

Das Canon RF 100-500mm im Praxis-Test: Testbereich 3 – Autofokus
Der Testbereich Autofokus ist für uns in der Praxis der wichtigste Aspekt bei einem Teleobjektiv. Genau hier schwächelte das Sigma 150-600mm in extrem schwierigen Situationen und fand oder verfolgte z. B. fliegende Vögel oder durch hohes Graus laufende Pumas manchmal nicht schnell genug. Der Autofokus wird von hohem Maße allerdings auch von der Kamera bestimmt, sodass man hier auf jeden Fall immer die Kamera-Objektiv-Kombination zusammen betrachten muss.
Relevant beim Autofokus-Test des Objektivs ist vor allem dessen Schnelligkeit beim Finden des Motivs sowie der Fokussierung von nah zu fern und umgekehrt. Um Letzteres zu beschleunigen, kann man bei modernen Objektiven, auch bei diesem, per Schalter am Objektiv den Autofokus auf 3 Meter bis Unendlich begrenzen, sodass im Nahbereich kein Motiv mehr gesucht wird. Insbesondere mit Nutzung dieser Funktion ist der Autofokus des Canon RF 100-500mm an unseren Canon R5 Mark II rasend schnell.
Da wir eine tadellose Funktion des Autofokus bei einfachen Motiven bei so einem teuren Objektiv einfach mal voraussetzen, haben wir den Fokus hauptsächlich an sehr herausfordernden Motiven getestet: Vögel im Flug (Greifvögel, Basstölpel, Meisen und Bienenfresser), Ziesel im hohen Gras sowie Bären beim Lachsfischen. Wenn die Kamera das Motiv gefunden hat, hat das Canon RF 100-500mm kein Problem, das Motiv zu verfolgen.
Der Ultraschallmotor des Objektivs arbeitet praktisch geräuschlos und bewegt die Linsen derart schnell und exakt, dass auch ein schneller Vogel im Flug problemlos verfolgt wird. Insbesondere, wenn das Motiv relativ groß im Bild ist (also ein Vogel nicht nur als kleiner Punkt am Himmel auftaucht, sondern einen relevanten Teil des Fotos einnimmt), haben wir mit dem Canon RF 100-500mm an der Canon R5 Mark II kaum Fokus-Ausschuss, weder bei fliegenden Vögeln noch bei fischenden Bären.






Unser Fazit zum Autofokus (5 von 5 Sternen)
Das Canon RF 100-500mm im Praxis-Test: Unser Fazit
Lange haben wir gezögert, auf das Canon RF 100-500mm umzusteigen, was insbesondere durch die schwächelnde Offenblende und den hohen Preis bedingt war. Die Qualität und Flexibilität des Objektivs sowie insbesondere die Schärfe, Stabilisierung und der Autofokus überzeugen aber auf ganzer Linie. Da wir Wildtiere immer Freihand und oft über Stunden fotografieren, ist das so geringe Gewicht des Canon RF 100-500mm ein riesiger Bonus für uns. Die Investition hat sich daher für unsere Fotografie bereits jetzt auf ganzer Linie gelohnt und wir haben bereits nach ein paar Wochen mit dem Objektiv viele Fotos „ergattert“, die wir mit dem Vorgänger nicht fotografiert hätten – oft schlicht schon deswegen, weil wir es nicht in der Hand oder im Anschlag gehabt hätten, oft genug aber auch, weil der Autofokus nicht diese Schnelligkeit hatte. Darüber hinaus macht das Fotografieren mit dem Canon RF 100-500mm einfach Spaß – wir möchten gar nicht mehr aufhören und merken nicht, wie die Stunden verfliegen.
Das Canon RF 100-500mm ist für uns qualitativ mindestens auf einer Stufe mit der mittlerweile fast schon legendären 70-200L-Reihe und das beste Telezoom, mit dem wir je fotografiert haben. Es ist unser Tele-Immerdrauf geworden und wir überlegen gar nicht mehr, ob wir es mitnehmen oder nicht.
Wir werden in den nächsten Monaten mit dem Canon RF 100-500mm unter anderem Kolibris und andere tropische Vögel in Panama sowie Pinguine und Pumas in Patagonien fotografieren und können es nicht erwarten!

Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM
Gesamtbewertung
Das Canon RF 100-500mm f/4.5-7.1 L IS USM ist wohl das beste Telezoom im aktuellen Sortiment von Canon uns somit auch eines der besten, vielleicht das beste, auf dem ganzen Markt. Wenn du ambitioniert Tiere fotografierst, dein Budget es erlaubt und insbesondere, wenn du dein Teleobjektiv mit auf (Foto-)reisen nehmen willst, lohnt sich die Investition in das Objektiv absolut. Dies gilt insbesondere, wenn du auch auch auf schwierige Motive wie Vögel im Flug aus bist. Fotografierst du seltener Tiere und/oder sind deine Motive meist unbewegt oder langsam (z. B. Tiere im Zoo oder auf Safari in Afrika), ist auch das Sigma 150-600mm weiterhin sehr empfehlenswert. Kaufst du das Canon RF 100-500mm, sind wir sicher, dass du es lieben werden und das geringe Gewicht nie wieder eintauschen wollen willst!
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