Eine Reise nach Mumbai und Goa an der Westküste Indiens ist eine Reise zwischen Gegensätzen. Eine Reise zwischen pulsierender Megastadt und ruhigen Küstenlandschaften, zwischen kolonialer Geschichte, tief verwurzelten Traditionen und dem modernen Indien von heute. Unsere Gastautorin Petra Dachtler hat Mumbai und Goa mit der Kamera erkundet und nimmt uns mit zu Momenten, die weit über das Offensichtliche hinausgehen und einen sehr persönlichen Blick auf diese faszinierende Region eröffnen.

Mumbai – Indiens Megastadt

Mumbai, Bombay, die Stadt der sieben Inseln oder „Urbs Prima in Indis“ – Indiens erste Adresse – es gibt viele Bezeichnungen für die größte Stadt Indiens, die als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Subkontinents gilt. Der Name Bombay stammt von den Portugiesen, die 1534 die günstig gelegene Bucht „Bom Baia“ (schöne Bucht) tauften, die es in den darauffolgenden Jahrhunderten von der kleinen Anlegestelle zum größten Hafen Indiens schaffte. Der Name Mumbai wiederum geht auf die hinduistische Gottheit Mumba zurück. Beide Namen sind heute gebräuchlich. 

Die farbenfrohe Metropole mit 20 Millionen Einwohnern (ohne Vororte), einer bewegten Geschichte und architektonischen Highlights bereist Du nicht vollständig in ein paar Tagen. Für einen ersten Eindruck sind vier Tage das Minimum, eine Woche ist besser, um auch die Vororte zu erkunden.

In Indiens Megastädten kann man kaum etwas zu Fuß machen, dank meiner Unterkunft im Fortviertel konnte ich aber zumindest die unmittelbare Umgebung mit Museen, kleine Läden und netten Restaurants zu Fuß erkunden. Ebenso empfehlenswert sind die benachbarten Viertel Colaba und Churchgate. Der öffentliche Nahverkehr ist gut und einfach zu nutzen (Bus, Zug, die neue Metrolinie zum Flughafen, Taxis) und auch abends nach Einbruch der Dunkelheit kannst Du hier problemlos einen Spaziergang machen unter den vielen Flaneuren, die die bunt angestrahlten Gebäude aus viktorianischer Zeit bewundern (mehr zur Sicherheit und Reisen in Indien findest du im Artikel: Indien – eine fotografische Annäherung).

Gateway of India und das Hotel Taj Mahal in Mumbai
Gateway of India und das Hotel Taj Mahal

Von den sieben Inseln Mumbais ist heute nichts mehr zu sehen, sie wurden durch Aufschüttungen zu einer Art Landzunge verbunden, die ins Arabische Meer hineinreicht. Hafen, Fischfang und die Präsenz des Meeres prägen aber weiterhin das Stadtbild Mumbais, die zugleich die Hauptstadt des Bundesstaats Maharashtra ist. Wer mehr zur Architektur und den Anfängen der Stadt erfahren möchte, dem seien die Bombay Heritage Walks empfohlen (bombayheritagewalks.com), einer von Architekten gegründeten Organisation, die thematische Spaziergänge durch Bombays historische Viertel anbietet. Ich habe sie genutzt, um einen Spaziergang durch das Art Deco Viertel der Stadt zu machen, das mich wirklich überrascht hat. 

Sehenswürdigkeiten Mumbai

Um einen Überblick über die Stadt zu bekommen, kannst Du verschieden lange Touren z. B. über Khaki Tours buchen. Das Schöne dabei ist, dass man bei diesen Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und einen persönlichen Kontakt zu Menschen bekommt, die die Führungen in ihrer Freizeit machen. Meine Führerin war eine junge Studentin, die mir neben den Sehenswürdigkeiten viel über ihr Leben und die alltäglichen Herausforderungen in der Megacity erzählte. Die Organisation bietet auch Stadtführungen für Einheimische an, um das Interesse an dem historischen Erbe zu wecken und es zu bewahren. Einblicke ins Leben der Menschen bietet auch ein Kochkurs in einer privaten Wohnung – ideal, wenn Du abends nicht allein herumlaufen möchtest und buchbar über Reiseveranstalter. Du kochst, unterhältst Dich mit den Gastgebern und hast gleich ein leckeres Abendessen. 

Spiritualität in Indien
Spiritualität, auch in einem Imbiss, ist in Mumbai nichts Ungewöhnliches

Sehenswürdigkeiten in Mumbai

Ein Muss im historischen Zentrum Mumbais ist der Gateway of India, der zur Erinnerung an die Ankunft des britischen Königs Georg V. 1911 errichtet wurde. Heute ist es ein Anleger für Bootsfahrten und für die Fähre zur Elephanta Island mit dem berühmten Shiva-Felsentempel (UNESCO), außerdem ein Platz, auf dem gern flaniert wird und jede Menge Selfies geschossen werden. Die Überfahrt zur berühmten Elephanta Insel dauert eine Stunde hin, eine zurück, an manchen Tagen fällt sie wegen zu hohen Seegangs aus. Insofern solltest Du genug Zeit in Bombay einplanen, um dieses Highlight nicht zu verpassen. 

Die ältesten Tempel Mumbais stammen aus dem 5. Jhd. n. Chr. und beeindrucken durch die Eleganz der überlebensgroßen Figuren, die Geschichten aus dem Leben der Gottheit Shiva erzählen. 

Streetfotografie in Mumbai

Wie jede Stadt in Indien ist auch Mumbai ein Paradies für die Streetfotografie.

Nicht nur zum Fotografieren, auch, um das Geschehen am Morgen in Mumbai zu erleben, muss man früh aufstehen. Wegen der subtropischen Temperaturen fällt dies leichter als anderswo. Dennoch war der Besuch des Fischmarktes an den Sassoon Docks eine Herausforderung: als ich um 6 Uhr dort ankam und mich durch die bunt gekleideten Fischverkäuferinnen und Kunden drängelte, um bis zur Mole zu gelangen, waren nur noch ein paar Boote da, die ihren Fang auf den Kai hievten. Es war noch dunkel, in der Ferne stieg die Morgenröte über dem Meer auf. Mit dem ISO weit oben und einer offenen Blende kam ich aber gut zurecht. Ich schien an diesem Morgen die einzige Ausländerin zu sein, aber keiner nahm groß Notiz von mir in dem Gedränge.

Ebenso lohnt sich für die Fotografie in Mumbai ein Besuch der ältesten öffentlichen Waschanlage Dhobi Ghat der Station Mahalaxmi. Hier werden im großen Stil Wäsche für Krankenhäuser, Hotels etc. gewaschen. Von einer Plattform aus kannst Du früh morgens die Wäscher beim Aufstehen und Arbeiten beobachten. Hinein geht es nur mit einem (selbst ernannten) Führer. Es ist recht dunkel, also solltest Du ein lichtstarkes Objektiv mitnehmen. 

Viele Gebäude Mumbais erinnern an die britische Kolonialzeit von Mitte des 17. Jhd. bis ins Jahr 1940. Bombay kam als Mitgift der Braut Karls II. von England, Katharina Braganza, in britischen Besitz. Die Universität, zahlreiche Gebäude sowie der Bahnhof Victoria Station sind im typisch viktorianischen Stil erbaut (im Zuge der Dekolonialisierung wurden viele Namen geändert, so dass nicht alle Taxifahrer die alten Namen verstehen).

Die Gebäude werden nachts bunt angestrahlt, so dass ich beschloss, sie auf einen Abendspaziergang zu fotografieren. Ich hatte kein Stativ dabei und wollte auch nicht einfach nur die Gebäude ablichten, sondern das bunte Treiben drumherum. Daher entschied ich mich, eine kleine Serie von Langzeitbelichtungen mit dem Straßenverkehr zu versuchen. Mangels Stativ nahm ich einfach Zäune, Laternen oder Ampelmaste als Stütze. Ein ISO von 800-1000 reichte, Blende eher 8 und höher, sogar bis 16, damit die Gebäude im Hintergrund auch scharf werden, Belichtungszeit unter einer Sekunde und ganz wichtig: einen verzögerten Auslöser wählen (2 Sekunden reichen), damit das Bild nicht schon beim Drücken auf den Auslöser verwackelt. Hier ein paar Impressionen:

Weitere Tipps für Sehenswürdigkeiten in Mumbai: 

  • Ghandi-Museum in einem Haus, in dem der spirituelle Führer des Unabhängigkeitskampfes 1917-34 immer wieder zu Gast war.  Besonders bemerkenswert sind die kleinen Puppenkästen, in denen Szenen aus dem Leben Gandhis mit viel Liebe zum Detail nachgebastelt sind. 
  • Marine Drive – Promenade am Wasser, an der sich gern Jugendliche und Liebespaare treffen. 
Mumbai Tipps und Sehenswürdigkeiten für Fotografen
Marine Drive – Chillen am Meer

Museen in Mumbai: 

  • Kunstgeschichtliches Museum (Chhatrapati Shivaji Mahraj Vastu Sangrahalaya), dessen Architekturmix aus islamischem, hinduistischem und britischem Stil einen ungewöhnlichen Rahmen bietet. Konzentrier Dich auf die drei Hauptreligionen Buddhismus, Jainismus und Hinduismus, die hier anhand beeindruckender Exponate präsentiert werden. Ebenso sehenswert ist der Teil mit den Miniaturmalereien.
  • National Gallery of Modern Art – lohnt sich schon wegen der interessanten Innenarchitektur, wechselnde Ausstellungen.

Auf nach Goa!

Goa war ein Sehnsuchtsziel der Hippies in den 60er und 70er Jahren, heute ist es touristisch gut erschlossen – fast zu gut, denn in den einst märchenhaften Buchten reiht sich ein Café und Restaurant ans andere, oft bis direkt an den Strand. Selbst im südlichen Goa, das als weniger touristisch gilt, fand ich die Dichte an Lokalen recht hoch. Zum Glück war Anfang November noch nicht so viel los. Ein Abstecher nach Goa lässt sich gut mit Mumbai verbinden (nur 1 Stunde Flug). 

Am Meer kannst Du beim Baden oder in einem der zahlreichen Yoga-Ressorts gut ein paar Tage entspannen. Den Strand teilst Du Dir mit Kühen, die Brandung und Strömung waren in der Agonda Bucht recht stark, Baden ist trotzdem möglich. Bei ruhigerem Seegang sind Ausflüge per Boot möglich, bei denen Du auch Delfine beobachten kannst. 

Goa ist der kleinste aller indischen Bundesstaaten und erinnert mit rund 40 % Christen an die 400 Jahre portugiesischer Kolonialgeschichte, die hier erst 1961, 14 Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens, zu Ende ging. Sehenswert ist die alte Hauptstadt „Old Goa“, mit Kirchen von indischen Dimensionen, die allesamt zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. In der Hauptstadt Panjim kannst Du im alten portugiesischen Viertel einen Mix aus portugiesisch-indischer Küche genießen und durch die kleinen, mit den typischen Azuejos (Kacheln) verzierten Straßen spazieren. 

Auf das Fotografieren der klassischen Sehenswürdigkeiten verzichte ich auf meinen Reisen schon seit längerem. Hier mache ich höchstens noch mit dem Handy ein paar Bilder und stelle sie auf Facebook für meine Freunde. Gleichzeitig überlege ich mir, was ich mit meiner Kamera fotografieren möchte und welches Endprodukt dabei herauskommen könnte. Bei den tollen Fresken und Kacheln kam mir gleich die Idee, eine Art Mosaik zu erstellen: Goa in neun Bildern auf einen Blick. Dies ließe sich groß als Poster drucken und als Erinnerung an die Wand hängen oder vielleicht werde ich Postkarten daraus machen. Hier ist mein Goa-Mix:

Mosaike in Goa

Wer es noch ein bisschen südindischer und meinem Eindruck nach auch authentischer mag, sollte von Goa weiter die Küste herunter nach Kerala fahren (siehe Indien – Eine fotografische Annäherung).

Fazit: Ich mag eigentlich weder Megastädte noch Menschenmassen. Aber für Indien mache ich immer wieder gern eine Ausnahme, denn kaum ein Land ist so vielfältig, bunt und faszinierend mit einer jahrtausendealten Geschichte und der leckersten (vegetarischen) Küche, die ich mir denken kann. Also, Kamera geschnappt und auf nach Indien!

Autor

Reisen ist seit frühster Jugend meine Leidenschaft, auch beruflich verbringe ich oft längere Zeit in anderen Ländern. Das Fotografieren habe ich vor einigen Jahren wiederentdeckt und die Begeisterung ist ungebrochen. Neben fernen Ländern arbeite ich auch an Projekten, bei denen ich meine unmittelbare Umgebung zuhause fotografisch neu entdecke. Mehr dazu unter pam-photography.com.

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