Die Brennweite ist einer der wichtigsten Parameter in der Fotografie. Sie bestimmt maßgeblich darüber, wie das fertige Foto aussieht. Schon beim Kauf des Objektivs solltest du wissen, welche Brennweite du für deine Fotos benötigst. 35 mm, 85 mm oder vielleicht ein 24-70mm? Welche Brennweite brauchst du für Porträts, welche für Landschaftsfotos und welche für Tieraufnahmen? Wir zeigen dir einfach und mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis, wie Brennweiten deine Bilder beeinflussen – und welche wofür am besten passt.
In diesem Beitrag
Was ist eigentlich die Brennweite?
Die Brennweite ist eine technische Angabe, die du auf jedem Objektiv findest – sie wird in Millimetern angegeben, zum Beispiel 24mm, 50mm oder 200mm. Sie beschreibt vereinfacht gesagt, wie weit ein Objektiv „hineinzoomt“ oder wie viel vom Motiv du auf dem Bild siehst.
Je kürzer die Brennweite bzw. desto kleiner die Brennweitenzahl, desto weiter ist der Bildwinkel und desto mehr von der Umgebung ist am Ende auf dem Foto zu sehen. Je länger die Brennweite bzw. desto größer die Brennweitenzahl, desto enger wird der Bildwinkel und desto größer erscheint das Motiv im Bild. Vereinfacht kann man sagen: Je größer die Brennweite, desto näher wird dein Motiv auf dem Foto „herangezoomt“.
—> Was die Zahlen und Abkürzungen auf deinem Objektiv bedeuten

Ein Objektiv hat entweder eine feste Brennweite („Festbrennweite“, z. B. 16mm) oder eine variable Brennweite (z. B. 16mm-35mm). Bei Ersterem bist du auf die Brennweite festgelegt und kannst nicht zoomen, bei der zweiten Variante kannst du den Bildwinkel durch Zoomen verändern. Je größer der angegebene Brennweitenbereich also, desto flexibler ist das Objektiv und desto mehr kannst du zoomen.
Kurz gesagt: Die Brennweite entscheidet darüber, wie du die Welt zeigst – weit (niedrige mm-Zahl), natürlich (mittlere mm-Zahl) oder verdichtet/nah dran (hohe mm-Zahl).
Auf den drei folgenden Fotos haben wir das gleiche Motiv mit unterschiedlichen Brennweiten fotografiert. Das Bild wirkt jedes Mal anders:




Unterschiede zwischen den Objektivarten
Die Begriffe Weitwinkel, Normalobjektiv und Teleobjektiv beziehen sich darauf, wie stark ein Objektiv „vergrößert“. Es geht also darum, wie viel du vom Motiv siehst – und wie das Bild auf den Betrachter wirkt.
Weitwinkelobjektive haben eine niedrige Brennweite, (z. B. 14–35mm). Sie erfassen einen besonders großen Bildausschnitt. Weitwinkelobjektive eignen sich ideal für Landschaften, Architektur oder Innenräume, weil sie viel „aufs Bild holen“. Typisch ist auch die starke Tiefenwirkung – Vorder- und Hintergrund wirken weiter voneinander entfernt. Linien können verzerrt dargestellt werden, was oft kreativ genutzt wird, aber für Porträts problematisch sein kann.

Normalobjektive (ca. 40–70mm) zeigen die Welt so, wie wir sie mit unseren Augen sehen – ohne starke Verzerrung oder Kompression. Deshalb wirken Fotos mit diesen Brennweiten oft besonders natürlich und vertraut. Sie sind super für Porträts, Reportagen oder Alltagsmotive.

Teleobjektive (ab ca. 70mm aufwärts) holen weit entfernte Motive nah heran. Sie eignen sich für Porträts, Tiere, Sport, Details oder entfernte Landschaftsausschnitte. Der Hintergrund wird optisch näher ans Motiv „herangerückt“, was zu einer flachen, komprimierten Bildwirkung führt – oft mit schönem Bokeh. Je höher die Brennweitenzahl, desto näher wird das Motiv auf dem Bild herangeholt. Für scheue Wildtiere eignen sich beispielsweise sehr hohe Brennweiten um 500 oder 600mm.

Wenn du mit einem Zoomobjektiv unterwegs bist (z. B. 24–70mm oder 70–200mm), hast du mehrere Bildwirkungen in einem Objektiv vereint – je nach eingestellter Brennweite.

Wie beeinflusst die Brennweite deine Fotos?
Die Brennweite ist ein kreatives Werkzeug. Je bewusster du sie einsetzt, desto gezielter kannst du die Wirkung deiner Bilder steuern. Die Brennweite entscheidet nicht nur darüber, wie nah du an dein Motiv herankommst, sondern verändert auch die Wirkung deiner Fotos auf mehreren Ebenen:
1. Bildausschnitt
Je kürzer die Brennweite, desto mehr bekommst du aufs Bild. Ein Weitwinkel zeigt also einen viel größeren Ausschnitt als ein Teleobjektiv – ideal, wenn du Umgebung mit einbeziehen willst. Teleobjektive dagegen holen Details heraus und lassen dich weiter entfernte Motive formatfüllend fotografieren.

2. Bildwirkung & Perspektive
Die Brennweite verändert, wie das Bild auf den Betrachter wirkt:
Weitwinkelobjektive betonen Vordergrund und Tiefe: das Bild wirkt räumlich, manchmal sogar dramatisch. Aber Achtung: Du musst in der Regel nah an dein Motiv oder den Vordergrund herangehen, damit das Foto gut wirkt – sonst wirken Weitwinkelfotos oft sehr flach: ⇨ Warum deine Landschaftsfotos langweilig sind
Teleobjektive verdichten den Raum: Elemente im Bild rücken optisch näher zusammen und wirken ruhiger, geordneter.

3. Motivbetonung & Hintergrundunschärfe
Die Brennweite hat auch Einfluss auf die Tiefenschärfe im Bild. Je höher die Brennweite, desto weniger Tiefenschärfe hat das Foto und desto unschärfer verschwimmt der Hintergrund. Dies ist bei Porträts oft gewünscht, weswegen Profis hierfür gerne auch höhere Brennweiten wie 85 oder 135mm verwenden. Bei kleinen Brennweiten wird hingegen ein großer Bereich des Fotos scharf, was für Landschaftsfotos oft gewünscht ist. Wenn du dir unscharfe Hintergründe auf deinen Fotos wünschst, sollte deine Brennweite also möglichst groß sein.

4. Distanz zum Motiv
Bei kurzer Brennweite musst du nah ans Motiv heran, um es groß ins Bild zu bekommen – dadurch verändert sich die Perspektive und das Motiv wird leicht verzerrt. Dies kannst du kreativ einsetzen, um deine Fotos besonders zu gestalten. Bei Teleobjektiven hast du mehr Abstand zum Motiv, was eine natürlichere Proportionierung ergibt (sinnvoll z. B. bei Gesichtern).

Welche Brennweite eignet sich wofür?
| Objektivtyp | Brennweite | Typische Motive | Tipp |
|---|---|---|---|
| Starkes Weitwinkel | 8-24mm | Landschaft, Architektur, Innenräume, Milchstraße | Achte auf stürzende Linien & Verzerrungen |
| Weitwinkel | 24-35mm | Reportage, Street, Städte, Reise | Flexibel & dokumentarisch |
| Normal | 35-50mm | Alltag, Porträts mit Umgebung | Gut als „Immerdrauf“-Brennweite |
| Normal | 50-85mm | Porträts, Stillleben, Detailaufnahmen | Ruhige Perspektive, sanftes Freistellen |
| Leichtes Tele | 85-150mm | Porträt, Haustiere, entfernte Motive | Ideal für Porträts mit Hintergrundunschärfe |
| Tele | 150-300mm | Wildlife, Sport, Mondfotografie | Guter Einstieg in die Tierfotografie |
| Starkes Tele | 300mm+ | Wildlife | Sehr starke Vergrößerung |






Dies sind die klassischen Anwendungsbereiche unterschiedlicher Brennweiten. Wir empfehlen aber, auch mal kreativ zu werden und bewusst hier von abzuweichen. Wie wirkt eine neugierige Möwe fotografiert mit Weitwinkel? Oder wie wirken Ausschnitte einer Landschaft fotografiert mit Teleobjektiv? Durch das kreative Ausprobieren findest du neue Möglichkeiten und entdeckst deinen eigenen Fotografie-Stil. Jan fotografiert beispielsweise Reportagen oder Porträts gerne mit 16mm – sehr ungewöhnlich, aber durchaus besonders und cool!

Wenn du ein Objektiv suchst, das möglichst flexibel ist und bei guter Bildqualität für alle möglichen Situationen geeignet ist, empfehlen wir dir das Sigma 18-50mm f/2.8: Das ultimative Reiseobjektiv
Praxis-Tipp
Probiere mal aus, dieselbe Szene mit verschiedenen Brennweiten zu fotografieren – du wirst überrascht sein, wie stark sich die Bildwirkung verändert.
Zoomobjektiv oder Festbrennweite – Was ist besser?
Wie am Anfang beschrieben, gibt es unter den Objektiven sogenannte Festbrennweiten, die für eine ganz bestimmte Brennweite optimiert sind und mit denen du nicht zoomen kannst. Klassische Festbrennweiten sind etwa 35mm, 50mm oder 85mm. Diese Objektive sind meist besonders lichtstark und werden gerade in der professionellen Fotografie häufig genutzt, da sie eine fantastische Bildqualität liefern. Aber auch für Anfänger empfehlen wir eine Festbrennweite oft als Zusatz, da sie das bewusste Fotografieren und die Auseinandersetzung mit dem Motiv extrem fördern.
Zoomobjektive mit einem variablen Brennweitenbereich (z. B. 24–70mm) hingegen haben immer leichte Abstriche in der Bildqualität, sind dadurch aber flexibler. Für Einsteiger, die gerne möglichst „alles“ fotografieren wollen, sind sie daher oft besonders geeignet. Aber Achtung: je flexibler das Objektiv, also desto größer der Brennweitenbereich (z. B. 16-300mm), desto schlechter wird die Bildqualität, weswegen wir von diesen besonders flexiblen Objektiven („Superzooms“) ausdrücklich abraten. Auch stehen sie oft der eigenen fotografischen Entwicklung im Weg, da man immer herumzoomt, anstatt sich zu bewegen und sich Gedanken über Bildaufbau, Perspektive und Bildwirkung zu machen.
⇨ 7 Gründe, warum du unbedingt eine Festbrennweite brauchst
⇨ Warum wir von Superzoom-Objektiven abraten
Kauf-Tipp: Wenn du gerade mit der Fotografie anfängst, ist ein gutes Zoomobjektiv im Weitwinkel- bis Normalbereich super, um verschiedene Brennweiten kennenzulernen. Später lohnt sich eine lichtstarke Festbrennweite zur Ergänzung – nicht nur für bessere Qualität, sondern auch, um deinen eigenen Stil zu entwickeln.
⇨ Das ultimative Reiseobjektiv

Brennweite bewusst einsetzen
Die Brennweite ist weit mehr als eine technische Zahl – sie ist ein kreatives Werkzeug. Je besser du verstehst, wie sie dein Bild beeinflusst, desto gezielter kannst du deine Fotografie gestalten.
Manchmal braucht es Weitwinkel, um die Weite einer Landschaft einzufangen. Manchmal hilft ein Teleobjektiv, um Ruhe ins Bild zu bringen und ein Motiv vom Hintergrund zu lösen. Und oft ist es einfach spannend, mit verschiedenen Brennweiten zu experimentieren – und zu sehen, wie sich dein Blick auf die Welt verändert.
Praxis-Tipp: Nimm dir bei deinem nächsten Fotospaziergang bewusst nur eine Brennweite vor. Wenn du ein flexibles Zoomobjektiv hast, fixiere dein Objektiv mit einem Klebestreifen auf einer beliebigen Brennweite. Und dann werde kreativ! München bei 50mm? Der heimische Wald mit 16mm? Dein Zuhause mit 100mm? Du wirst staunen, wie viele Motive dir plötzlich auffallen, weil du deinen Blick anders lenkst!


