Warum deine Landschaftsbilder langweilig sind – und was du dagegen tun kannst

Du stehst in einer wunderschönen Landschaft.
Der Ausblick ist atemberaubend.

Du bist überwältigt und freust dich darauf, diesen Blick zu fotografieren, die Szenerie einzufangen.
Du drückst auf den Auslöser und klick…
Langweilig.
Klick.
Total beliebig.
Klick.
Höchstens „irgendwie ganz nett“.

Mehr nicht. Dein Foto spiegelt absolut nicht das wieder, was du siehst. Die Landschaft wirkt platt und flau, dein Bild hat keine Tiefe und statt zum Staunen bringt es den Betrachter zum Gähnen.

Kennst du das?

Landschaftsbilder
Viele Landschaften wirken auf Fotos höchstens „ganz nett“

Das Problem der langweiligen Landschaftsbilder

Meine Landschaftsbilder sind immer so langweilig

Dies ist einer der häufigsten Sätze, den wir von Leuten hören, die anfangen, sich mit diesem Bereich der Fotografie zu beschäftigen. Inbesondere das Fotografieren mit einem Weitwinkelobjektiv bereitet oft Probleme. Landschaften, die in Wirklichkeit atemberaubend sind, wirken auf dem Foto platt, beliebig. Die Schönheit des Ortes kommt absolut nicht rüber.

„Wie schafft ihr es, dass eure Landschaftsaufnahmen so schön wirken?“, werden wir gefragt. „Warum sind eure Bilder nie langweilig?“
Ooooh, wir kennen es. Auch wir machen einen Haufen langweiliger Bilder. Gerade in der Landschaftsfotografie. Wir nennen es das „Weitwinkel-Problem“.

Das Weitwinkel-Problem

Es gibt Landschaften, die auf Fotos prinzipiell erstmal nicht gut wirken. Dazu gehören recht flache Landschaften, Blicke auf Seen oder Meere und leider oftmals auch sehr schöne Ausblicke von einem erhöhten Punkt.

Eine in Deutschland bei Fotografen beliebte Region ist die Lüneburger Heide. Sie kann auf Fotos wunderschön wirken – oder auch komplett langweilig. Wir nehmen sie für diesen Artikel als Beispiel, die Tipps können aber natürlich auf alle anderen Landschaften übertragen werden.

So kann ein Foto der Lüneburger Heide theoretisch aussehen:

Landschaftsbilder Lüneburger Heide

Und so sieht es zunächst meistens aus:

Langweilige Landschaftsbilder
Das Weitwinkel-Problem: Es ist viel auf dem Bild drauf, aber zum Staunen bringt es den Betrachter nicht.

Der Standort des unteren Fotos ist mit dem Auge betrachtet keinesfalls weniger eindrucksvoll als der obere. Man steht in einem Meer aus lila Blüten, das sich bis zu Horizont erstreckt. Das Summen der unzähligen Hummeln klingt in den Ohren, der Sommerduft liegt in der Luft. Der blaue Himmel streckt sich über die sanften Hügel – es ist traumhaft. Leider kommt auf dem Foto nichts davon rüber.

Wir erklären dir konkret, woran das liegt. Mit drei einfachen Tipps zeigen wir dir, wie du deine Landschaftsbilder so gestaltest, dass sie garantiert nicht mehr langweilig werden!

Beispiel für Landschaftsbilder
Überlege dir, was du darstellen willst und setze es in Szene

 

 So machst du nie wieder langweilige Landschaftsbilder

1. Baue dein Bild aus Ebenen auf

Wir erwähnen es dauernd und es ist für alle Bilder ein guter Gestaltungshinweis. Für weitwinklige Landschaftsbilder ist es aber wirklich essentiell:

Spannende Bilder bestehen aus mehreren Ebenen. Vordergrund, Motiv, Hintergrund.

Die Ebene des Vordergrundes wird oft vernachlässigt. Bei Portraits ist das noch zu verschmerzen. Ein Landschaftsbild hat aber oft auch kein Hauptmotiv und dadurch keinen richtigen Hintergrund. Wozu das führt? Es besteht nur aus einer einzigen Ebene! Genau das führt dazu, dass das Foto platt und dimensionslos wirkt.

Langweiliges Landschaftsbild
Diese Szene wirkt real wunderschön. Auf dem zweidimensionalen Foto ist sie platt und langweilig.

Unser Auge sieht dreidimensional. Wenn wir in der Landschaft stehen, hat diese für uns daher automatisch viele Ebenen. Wir sehen die Tiefe des Raumes, die dreidimensionale Weite. Durch diese wirken schöne Ausblicke auf uns so faszinierend. Wir könnten stundenlang in die Ferne schauen.

Ferne! Weite! Auf einem Foto? Langweilig!!

Deine Aufgabe als Fotograf ist es, diesen faszinierenden dreidimensionalen Blick in ein zweidimensionales Foto zu übertragen. Das schaffst du nur durch den bewussten Bildaufbau aus mehreren Ebenen. Eine einzige Ebene bringt niemanden dazu, das Foto länger als den Bruchteil einer Sekunde anzuschauen.

Mache dich also auf die Suche nach einem Vordergrund. Das können Grashalme sein, aber auch alles andere, was in deiner Nähe ist. Manchmal kannst du durch Zweige fotografieren, manchmal auch einfach den Boden vor deinen Füßen einbauen. Sei kreativ!

Dann such dir ein Motiv. „Die Landschaft“ ist kein Motiv. Such dir ein echtes. Mach dir ernsthafte Gedanken darüber, was du eigentlich fotografieren willst.
Bei Landschaftsbildern wird dieser Punkt oft übersprungen, weil man ja nur „die Landschaft“ fotografieren will. Das führt aber automatisch dazu, dass das Bild keine Ebenen hat und langweilig wird. Komm also weg vom „Landschaft fotografieren“ und fotografiere etwas IN der Landschaft. Gibt es einen Baum, ein Haus, ein Segelboot? Irgendwas, und sei es ein schöner Hügel oder ein auffälliger Stein! Dieses Motiv ist deine zweite Bildebene.

Landschaftsbilder in der Lüneburger Heide
Im Vordergrund die Heideblüten, auf der Hauptebene die Scheune, dahinter der Himmel: Dieses Bild hat deutlich mehr Tiefe und wirkt sofort interessanter.

In der Lüneburger Heide finden wir eine alte Scheune, Zäune, Wege, Schafherden, einzeln stehende Bäume. All das sind fantastische Motive.

Deine dritte Ebene ist der Hintergrund. Bei Landschaftsaufnahmen ist das meist der Himmel. Aber auch die Landschaft hinter deinem Motiv – die Berge, das Meer, die Pflanzen – gilt als dritte Bildebene.

Landschaftsbilder Detailaufnahme
Auch Detailaufnahmen wirken mit Vorder- und Hintergrund lebendiger

 

2. Arbeite mit Linien

Das Weitwinkel-Problem sorgt dafür, dass Fotos weiter Landschaften platt wirken. Das liegt im Groben daran, dass das Auge nicht durch das Bild geführt wird. Meist verläuft eine recht gerade Linie durch das Bild, meistens sogar durch die Mitte – der Horizont. Das wars. Oben ist der Himmel, unten grün. Langweilig!!

Das Auge hat keine Linien, denen es folgen kann. Keinen Punkt, an dem es hängen bleibt.

Bei spannenden Bildern wird der Blick des Betrachters durch das Bild geführt.
Blicke folgen Linien.
Nutze dieses Wissen und baue Linien in dein Bild ein. Je nach Motiv können das Hügel sein, ein Weg oder eine Straße, ein Zaun oder vieles Anderes. Auch die Liniengestaltung mit Farben ist möglich, aber für den Anfang deutlich schwieriger.

Landschaftsbild von der Lüneburger Heide
Der Weg führt den Blick in das Bild hinein und verleiht diesem so Tiefe

Wenn dein Motiv ein Weg, ein Zaun oder Ähnliches ist, kann dieses natürlich gleichzeitig auch deine Gestaltungslinie sein!

Wichtig ist, dass deine Linie in das Bild hinein verläuft und den Blick des Betrachters somit zur Bildmitte „in das Bild hinein“ lenkt. Die Linie darf daher nicht einfach horizontal durch das Bild verlaufen. Ob du mit einem geraden Zaun oder einem geschwungenen Weg arbeitest, ist übrigens egal.

Der Horizont

Eine besondere Linie, die wir fast auf jedem Bild finden, ist der schon angesprochene Horizont. Leider führt er den Blick nicht in das Bild hinein, wenn er gerade verläuft, daher eignet er sich nicht als Führungslinie.
Trotzdem kannst du hier etwas beachten: Sorge unbedingt dafür, dass der Horizont nicht durch die Bildmitte verläuft, sondern entweder mehr Landschaft oder mehr Himmel zu sehen ist. Allein dies macht dein Bild schon spannender.

Langweiliges Landschaftsbild
Durch die fehlenden Ebenen wirkt das Bild eher langweilig. Die tollen Farben und der im unteren Drittel verlaufende Horizont sind jedoch ein großer Gewinn.

3. Denke an die Drittel-Regel

Wie schon gesagt, ist es essentiell für Landschaftsbilder, dass du ein echtes Motiv hast. Dieses kann ruhig Bestandteil der Landschaft sein, wie eine Flussmündung, ein markanter Berg etc. Wichtig ist nur, dass du dir Gedanken darüber machst, was du eigentlich genau fotografieren willst. Wenn du ein Motiv gefunden hast, platziere dieses nicht in der Bildmitte, sondern auf einer der gedachten Drittel-Linien. Damit bringst du ganz einfach Spannung ins Bild. Ausführlich erklären wir dies und viele weitere Tipps zur Bildgestaltung in unserem kostenlosen E-Book, das du hier bekommst.

Beispiel für Landschaftsbild in der Lüneburger Heide
Das Bild besteht aus Ebenen, ein Weg führt als Linie hin zum Hauptmotiv: Der Bank. Diese befindet sich nicht im Bildzentrum, sondern auf der rechten Drittel-Linie.

Übung

Schaue dir als Übung Landschaftsbilder an, die dir gefallen. Nach Lektüre des Artikels und am besten immer mal wieder. Wie sind diese Landschaftsfotos aufgebaut? Welche Linien führen deinen Blick? Aus welchen Ebenen hat der Fotograf das Bild aufgebaut? Wo befindet sich das Motiv? Lerne, Bilder nicht mehr „einfach so“ anzuschauen. Schau dir an, warum sie funktionieren!

Hier sind drei Bilder, die wir auf unseren Reisen gemacht haben. Schaue sie dir an: Was verleiht ihnen Spannung? Welche Stärken haben sie und welche Schwächen? Wie haben wir sie aufgebaut?

1. Atlantikstraße in Norwegen

Nordkap Tour Camper

Das Hauptmotiv dieses Bildes ist die Straße, die in den Himmel zu laufen scheint. Gleichzeitig funktioniert sie als dynamisch geschwungene Linie, die den Blick des Betrachters in das Bild hinein führt. Sie verläuft im unteren Drittel des Bildes, sodass oben viel Platz für den dramatischen Himmel bleibt. Die Straße führt aus dem Vordergrund in die Mitte des Bildes und deutet so eine vorderne Ebene nur an. Da der Rest des Bildes passt – Motiv, Aufbau, Farben und Licht – funktioniert das Bild trotzdem.

Aus einem anderen Winkel fotografiert oder mittig platziert, sodass die Linie aus dem Bild heraus führen würde, würde das Bild seine Wirkung deutlich weniger entfalten.

 

2. Fjord in NorwegenFjord Norwegen

Dieses Bild zeigt eine herrliche Szenerie. Auf dem Bild entfaltet sie jedoch nur durch die Bank im Vordergrund ihre Wirkung. Erst die vordere Ebene schafft die Tiefe, die das Bild benötigt. Die Linien der Bank und der Berge und auch der Spiegelungen führen das Auge zur Mitte des Fotos. Die Anordnung nach der Drittel-Regel sorgt für Dynamik und schafft genügend Platz für den Rest der Landschaft.

Ohne Einbindung der Bank wäre dieses Bild ein typischer Fall für das Weitwinkel-Problem: Wunderschön in der dreidimensionalen Wirklichkeit – leider langweilig auf einem zweidimensionalen Foto.

3. Landschaft in Island

Roadtrip Planung

Bilder von Weitblicken sind oftmals schwierig. Funktioniert dieses – oder ist es langweilig? Woran liegt das? Dieses Mal gibt es keine Auflösung. Was denkst du?

Hast du auch manchmal das Problem, dass deine Landschaftsbilder langweilig werden? Helfen dir unsere Tipps? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

12 einfache Tipps für bessere Reisefotos
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Autor

Hi! Ich bin Jan. Fotograf, Reisejunkie und Mitbegründer von Lichter der Welt. Ich liebe ferne Länder genau so wie den Wald vor der Haustür. Jeden Tag neue Dinge zu sehen und zu erleben ist das, was mich am Reisen am meisten reizt. Als Coach und Fototrainer gebe ich regelmäßig mein Wissen an Fotobegeisterte weiter. Auf Lichter der Welt nehme ich dich mit auf unsere Reisen und teile meine Erfahrungen, Tipps und Inspirationen mit dir!

10 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag!
    Ich arbeite gerade an meiner Landschaftsfotografie, und dieser kleine Kurs hier, hat mir sehr geholfen :)!
    Werde in Zukunft einige Dinge mehr beachten und mir einen kleinen Spickzettel machen ;D
    Hab ihr eigentlich schon mal einen Beitrag zu eurer Foto Bearbeitung gemacht?
    Das würde mich persönlich sehr interessieren 🙂

    Liebste Grüße
    Luise

    • Jan Antworten

      Liebe Luise,

      vielen lieben Dank! Wir freuen uns und finden es toll, wenn dir unserer kleinen Tipps weitergeholfen haben! 🙂

      Eine Beitragsreihe zur Bearbeitung von Fotos insbesondere mit Lightroom sind schon in der Planung und werden demnächst hier online gehen. Da werden wir dann neben den Basics auch gezielt auf die Bearbeitung von Landschaftsbildern eingehen.

      Liebe Grüße
      Jan

    • Liebe Sina, lieber Jan, Antworten

      Lieber Jan,
      zuerst mal herzlichen Dank dass Du uns so gute Ratschläge zur Fotografie gibst. Einiges hatte ich intuitiv schon richtig gemacht – vieles nicht – aber hier wird es wirklich gut dargestellt wie ich vorgehen sollte. Eine Frage habe ich nun doch noch. Wie schaffst Du es sowohl Vordergrund als auch Hintergrund so scharf hinzubekommen. Ich vermute mal mit Zoom.

      Herzlichen Dank Euch beiden und lieben Gruß
      Beate

      • Jan Antworten

        Liebe Beate,

        das machen wir gerne! 😉

        Zu deiner Frage: Mit dem Zoom hat das nichts zu tun sondern damit, welche Blende du für dein Foto wählst. Umso kleiner die Blende (=größere Blendenzahl, z.B. 16) umso größer ist der Schärfebereich (Tiefenschärfe) deines Fotos. In Kombination mit einer kleinen Brennweite, ist es somit möglich das Foto fast durchweg scharf zu bekommen.

        Das Thema Tiefenschärfe ist ein recht komplexes Thema. In unserem kommenden E-Book widmen wir diesem Thema auch ein eigenes Kapitel, in dem dann alles ganz genau erklärt ist… 🙂

        Liebe Grüße
        Jan

    • Jan Antworten

      Liebe Nicoletta,

      ja das kann ich sehr gut verstehen. Als wir vor vielen Jahren mal mit der Fotografie angefangen haben, standen wir vor den gleichen Problemen und fanden das auch immer ziemlich unbefriedigend. Dabei sind es manchmal einfach nur Kleinigkeiten die den Unterschied machen und solche kleinen Tipps hätten uns damals auch geholfen. 😉

      Wir planen gerade eine Reihe von Artikeln zur Bildbearbeitung die dann helfen sollen, die gemachten Bilder noch weiter zu optimieren.

      Liebe Grüße
      Jan

  2. Wolfgang Scheifers Antworten

    Eine Tolle Internetpräsentation mit vielen Tipps und Tricks.
    Macht weiter so.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

    Leider habe ich noch keinen Link für die kostenlosen E-Books erhalten.

    • Jan Antworten

      Hallo Wolfgang,

      danke für dein Lob!

      Machen wir auf jeden Fall, so viel Spaß wie wir daran haben… 😉

      Liebe Grüße Jan

      PS: Vielleicht ist die Mail mit dem Link bei dir im Spam-Ordner gelandet?! Für alle Fälle schicke ich dir aber den Link gleich nochmal an die Adresse mit der du dich registriert hast!

  3. Hallo Jan,
    toller Beitrag und mit den Beispielbildern sieht man direkt, was du meinst. Ich liebe auch mein Weitwinkelobjektiv und will meine Landschaftsaufnahmen unbedingt verbessern.

    Dein Beitrag ist also Gold wert!

    Viele Grüße
    Magdalena

    • Jan Antworten

      Liebe Magdalena,

      vielen Dank für die lieben Worte!

      Wir wüschen dir immer gutes Licht und tolle Motive!

      Liebe Grüße
      Jan

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