Deine Bilder werden einfach nicht besser.

Du kennst das.
Du hast Spaß an der Fotografie, beschäftigst dich mehr damit und steigst auf eine bessere Kamera um. Bei vielen – so war das auch bei uns – kommt kurz danach die große Ernüchterung. Die Bilder sind – wenn überhaupt – nur unwesentlich besser als vorher.

Woran das liegt? Na ja. Kocht ein Koch besser, wenn er bessere Töpfe hat?

Stimmungsvolle Fotos entstehenden durch Planung – und durch ganz bewusstes Fotografieren.

Du selbst machst das Foto. Die Kamera ist nur dein Werkzeug.
Und selbst wenn du viel Theorie lernst, dich mit den Einstellungen beschäftigst, dich vom Automatikmodus abwendest… es gibt bestimmte Fehler, die du zuerst automatisch machst. Zum Teil, weil es sich intuitiv einfach richtig anfühlt, so zu fotografieren, zum Teil aber auch, weil es schlicht falsch gelehrt und in jedem Fotoforum falsch verbreitet wird (Punkt 2).
Diese Fehler machst du erst dann nicht mehr, wenn du dich bewusst dafür entscheidest, anders zu fotografieren. Und genau dieser Schritt wird dann deine Bilder um Welten verbessern!

Wir sehen bei Foto-Einsteigern immer genau die gleichen Fehler, die wir zuerst auch gemacht haben. Jahrelang. Auch du wirst diesen Fehlern auf fast jedem Anfänger-Bild begegnen – achte mal darauf!

Natürlich gibt es mehr als 5 Dinge, die du beim fotografieren falsch machen kannst. Aber diese 5 Fehler sind nicht nur am verbreitetsten – sie versauen dir auch fast jedes Bild gründlich. Das Gute ist: Sie alle kannst du ganz einfach vermeiden – ohne neues Equipment, große Vorbereitung oder tiefgehendes Wissen!

Arches Moab

5 verbreitete Foto-Fehler, die fast jeder Einsteiger über Jahre macht

1.    Du fotografierst bei hochstehender Sonne

Als Foto-Einsteiger achtest du nicht auf das Licht. Du stellst zwar schnell fest, dass es für Fotos einigermaßen hell sein muss, aber der Rest ist dir egal. Das liegt daran, dass Stand und Richtung der Sonne bzw. des Lichts für unser Alltagsleben völlig unerheblich sind. Hauptsache es ist hell. Du bist es schlicht nicht gewohnt, dich damit zu beschäftigen.
Stand und Richtung der Sonne/des Lichts sind aber für die Fotografie das allerwichtigste – und ja, wirklich viel wichtiger als deine Kamera, dein Objektiv, das Fotomotiv und alles andere.

Gutes Licht zaubert wunderschöne, harmonische und ästhetische Fotos.
Schlechtes Licht versaut dir absolut jedes Foto. Dabei ist es völlig egal, ob du mit High-End-Equipment oder mit dem Smartphone fotografierst.

Es dauert lange, vielleicht Jahre, um Licht und Lichtwirkungen richtig kennenzulernen und einzuschätzen. Aber eine Sache kannst du ganz einfach lernen und ab heute für all deine Fotos umsetzen:
Fotografiere nicht bei hochstehender Sonne.

Die Szenerie ist interessant und spannend, trotzdem wirkt das Bild nicht. Es ist etwa zur Mittagszeit bei hochstehender Sonne aufgenommen, hat keine Tiefe und wirkt platt.

Die hochstehende Sonne sorgt für sehr hartes Licht: Helle Bereiche werden sehr hell und dunkle sehr dunkel. Die Farben sehen absolut nicht gut aus, bei Landschaften gehen dir Teile des Bildes verloren und Personen haben auf Fotos z. B. sehr dunkle Augenhöhlen und andere extreme Schatten auf den Gesicht, während die restliche Haut schlicht weiß ist.

Hochstehende Sonne ist vor allem im Sommer ein Problem. Konzentriere dich hier auf die Morgen- und Abendstunden. Wir fotografieren am liebsten in den 2-3 Stunden nach Sonnenauf- oder vor Sonnenuntergang. Im Herbst und Winter ist dies etwas lockerer, da die Sonne in diesen Monaten den ganzen Tag über tiefer steht.

Wenn es bewölkt ist, ist der Sonnenstand übrigens egal, da die Wolken wie eine riesige Softbox (das sind die großen weißen Kästen, die man im Studio vor die Blitze schnallt, um das Licht weicher zu machen) wirken und harte Schatten/Kontraste vermeiden.

Es ist sehr schwierig, das Problem des harten Lichts Anfängern klar oder nachvollziehbar zu machen. Auch wir haben es zuerst als „Expertengeschwätz“ abgetan. Ist es nicht. Glaube uns.

Fotografiere – wann immer es geht – bei tiefstehender Sonne.

2.    Du fotografierst nicht gegen die Sonne

Es gibt diese eine Regel, die die allermeisten schon kennen, wenn sie sich noch gar nicht mit der Fotografie beschäftigt haben: „Fotografiere nicht gegen die Sonne. Habe die Sonne immer im Rücken!“ Diese Regel ist absoluter Quatsch, wenn du „richtig“ fotografierst. Vergiss sie, jetzt sofort.

Die „Regel“, nicht gegen die Sonne zu fotografieren, kommt daher, dass die automatische Belichtungsmessung hiermit überfordert ist und das Bild unterbelichtet. Das Motiv wird so also zu dunkel. Fotografierst du also mit dem Smartphone oder mit einer Kamera, die keine manuellen Anpassungen erlaubt, fotografiere wirklich nicht gegen die Sonne, wenn du ein gut belichtetes Bild möchtest.

Beim Fotografieren gegen die Sonne musst die die Belichtung zwingend manuell korrigieren – der Vordergrund wird sonst schlicht schwarz.

Hast du eine „bessere“ Kamera, dann nutze jetzt jedoch auch ihre Funktionen! Außer im Vollautomatikmodus („grünes Viereck“), kannst du die Belichtung im jedem Modus manuell korrigieren und dein Bild heller belichten. Wie das bei deinem Modell geht, steht in deinem Kamera-Handbuch unter dem Stichwort Belichtungskorrektur.
Durch Drehen an einem Rad (und das solltest du dir wirklich zutrauen!) stellst du die Belichtung so hell, wie es für deine Gegenlicht-Situation passt. Du bekommst durch das Gegenlicht wunderschöne Streiflichter, hast keinerlei Schatten auf deinem Motiv und erhältst ein Bild, das vielleicht professioneller oder schöner wirkt, als jedes, das du zuvor gemacht hast. Probiere es aus!

Übrigens: Gegen die Sonne fotografierte Bilder müssen nicht zwingend „romantisch“ oder „hübsch“ sein. Du kannst mit tiefstehendem Gegenlicht auch andere intensive Stimmungen kreieren. Wenn du beginnt, mit dem Licht zu arbeiten, wirst du völlig neue Seiten an der Fotografie entdecken.

3.    Du fotografierst Kinder und Tiere nicht auf (IHRER!) Augenhöhe

Du fotografierst intuitiv einfach aus dem Stehen heraus – mit der Kamera auf deiner Augenhöhe. Kinder und Tiere – aber auch die meisten Dinge – fotografierst du somit automatisch immer von schräg oben. Hör sofort damit auf und du wirst VIEL ansprechendere Bilder machen!

Fotografen liegen nicht deswegen immer auf der Erde rum, weil sie schlammige Klamotten so gerne haben, sondern weil tiefe Perspektiven diese schlammigen Klamotten wert sind. Probiere es einmal bewusst aus und fotografiere Kinder und Tiere direkt auf ihrer Augenhöhe. Ja, das ist deutlich anstrengender und manchmal auch schwieriger, weil Kind oder Tier dann gerne zu dir gelaufen kommt. Aber es lohnt sich! Bilder auf Augenhöhe zeichnen sich durch eine sehr intensive Wirkung aus. Sie wirken „nah“, „echt“ und persönlich – also meist genau das, was du mit Kinder- oder Haustierfotos erreichen möchtest.

Nur auf Augenhöhe fotografiert funktioniert dieses Bild – weil es eine Verbindung zwischen dem Kater und dem Betrachter herstellt. Die Intensität der grünen Augen (leicht angeleuchtet von der tiefstehenden Sonne) verstärkt diese Wirkung weiter.

4.    Du platziert dein Motiv mittig im Bild

Wahrscheinlich hast du schon einmal vom „Goldenen Schnitt“ oder der „Drittelregel“ gehört bzw. davon, dass das Motiv nicht genau in der Bildmitte platziert werden sollte. Aber setzt du das wirklich um? Schau dir einmal deine Bilder an. Bei wie vielen deiner Landschaftsfotos verläuft der Horizont durch die Mitte? Bei wie vielen Portraits ist das Gesicht mittig?
Die mittige Platzierung geschieht meist ganz intuitiv und zuerst musst du wahrscheinlich ganz bewusst darauf achten, aber es lohnt sich wirklich. Es gibt Ausnahmen (z. B. Symmetrien, oder – meiner Meinung nach – auch das Bild unter Punkt 3), aber in der Regel wirken Bilder, bei denen das Hauptmotiv außerhalb der Mitte platziert ist, oder der Horizont außerhalb der Mitte verläuft, deutlich harmonischer.

Idaho Roadtrip
Der tiefe (oder hohe) Horizont wirkt auf die meisten Betrachter ansprechender. Diesem Bild verleiht er Weite und durch die dramatischen Wolken auch eine ganz besondere Stimmung.

5.    Du überlädst dein Bild

Dies ist ein ganz wichtiger Tipp: Lass alles weg, was du weglassen kannst. Blende auf deinem Bild alles aus, was geht.
Professionelle Portraits wirken oft so ansprechend, weil der Hintergrund sehr unscharf ist und es absolut nichts gibt, was den Blick des Betrachters vom Hauptmotiv ablenken könnte.
Ein Bild wirkt meist dann harmonisch, wenn der Blick des Betrachters auf einem Motiv ruhen kann und nicht ungelenkt umherwandern muss.
Konzentriere dich bei deinem Bild auf so wenig wie möglich. Arbeite möglichst mit dem Schnitt, mit der Perspektive und mit Unschärfe, um störende Elemente auszublenden und dein Bild nur auf eine Sache zu konzentrieren. Für den Anfang reicht dies, und erst wenn du die Reduktion auf ein Element tatsächlich beherrschst, solltest du anfangen, mehrere Elemente in das Bild einzubauen – dies aber auch immer bewusst und in einer Verbindung zum Hauptmotiv.
Mach deine Bilder einfacher. So einfach, wie es geht. Dann wirken sie oft am stärksten.

Wildtierfotografie Kamera
Dieses Bild funktioniert durch seine Einfachheit, die durch den eintönigen Hintergrund entsteht. Jan hat sich hier bewusst für eine etwas höhere Perspektive entschieden (etwas über Augenhöhe), da es nur so möglich war, die störenden Elemente weiter oben im Hintergrund (andere Flamingos, Pflanzen, Häuser) auszublenden.

Jetzt bist du dran!

Nimm dir einmal die Zeit und schaue dir ganz bewusst deine Bilder an. Welche typischen Fehler machst du? Sind es immer die gleichen? Und könntest du sie nicht ganz einfach nicht mehr machen?

Eingeschlichene Angewohnheiten zu ändern, kostet dir zuerst etwas geistige Anstrengung und verlangt Konzentration. Die Ergebnisse sind es aber absolut wert!

Fotografiere bei tiefstehender Sonne!
Gegen die Sonne!
Fotografiere auf Augenhöhe!
Platziere das Motiv nicht mittig!
Konzentriere dich auf ein einziges Motiv, alles andere blendest du aus.

Deine Fotos werden unheimlich gewinnen. Probiere es aus!

Wir wünschen dir ganz Spaß beim bewussten Fotografieren!
12 einfache Tipps für bessere Reisefotos
Kostenloses E-Book

Unsere ultimativen und direkt umsetzbaren Tipps, die deine Fotos sofort verbessern.

x

Autor

Ich bin Sina, Mitbegründerin von Lichter der Welt, Fotografin und leidenschaftliche Weltenbummlerin. Ich liebe Natur, Freiheit, die Sonne auf meinem Gesicht und den Wind in meinen Haaren. Schon als Kind saß ich fasziniert vor dem Globus und malte mir aus, die Weite dieser Welt zu entdecken. Heute lebe ich diesen Traum und sammle Tipps, Inspirationen und Erfahrungen für dich!

4 Kommentare

  1. Ich kenne noch einen guten Tipp, den ich noch aus Analog-Zeiten von meinem Vater gelernt habe: Gehe näher ran!
    Damals war es noch nicht üblich, mit Tele- oder Zoomobjektiv zu arbeiten. Aber auch trotz der modernen Technik bekommt man mit weniger Abstand oft bessere Ergebnisse. (Nicht immer)
    LG
    Sabienes

    • Sina Antworten

      Hey Sabiene,

      das ist auch heute noch wirklich ein guter Tipp. Ganz oft wirken Fotos, bei denen man einfach nah rangegangen ist anstatt mehr Brennweite zu benutzen, extrem gut, intensiv und „mitten im Geschehen“. Natürlich geht das nicht immer (zB bei Wildtieren, und auch bei Landschaften macht es oft keinen Sinn), aber gerade bei Reportagefotografie ist das sehr wertvoll. Also: Auch in Zeiten von Zoomobjektiven ist das noch ein echt guter Tipp. Danke für die Ergänzung!

      Liebe Grüße
      Sina

  2. Tolle Tipps, die ich mir gleich gemerkt habe. Das mit der Sonne, wusste ich schon und probiere mich seither am Sonnenstern. Aber leider will mir der einfach nicht so schön gelingen. 🙂
    LG und weiter so,
    Charnette

    • Sina Antworten

      Hey Charnette,
      vielen Dank für dein Lob. Cool, dass wir dir Anregungen geben konnten!
      Der Sonnenstern klappt am besten, wenn du eine relativ weit geschlossene Blende nimmst (etwa Blende 11) und die Sonne recht tief und an einer „Kante“ steht, also nur gerade so hinter zB Wolken oder einem Baum etc hervorlugt. Probier das mal 🙂

      Liebe Grüße
      Sina

Kommentar hinterlassen