Der riesengroße Reisetraum

Nordlichter.
Sie sind komplizierte Physik.
Sie sind Mythos.
Wunder.
Traum.

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht davon träumt, sie wenigstens einmal zu sehen.
Wenigstens einmal die unbeschreibliche Magie zu erleben.
Zu staunen wie sich der Himmel plötzlich bunt färbt, für vielleicht das größte, atemberaubendste, faszinierendste Naturspektakel überhaupt.

Nordlichter

The earth has music for those who listen.
Shakespeare

Reisen in den hohen Norden lohnen sich immer. Ob Island, Norwegen, Finnland, Kanada oder Alaska: Die nördlichen Regionen unserer Erde bieten so viel Naturschönheit, dass sie gerade für Fotofans ein absoluter Hochgenuss sind.
Aufgrund des Wetters besuchen wir diese Regionen meist im Sommer, wenn wir nicht frieren müssen und die Tage unendlich lang sind.

Es lohnen sich aber auch die Winter. Gerade der frühe und der späte Winter, also etwa der Oktober und der März, wenn Tag und Nacht sich in etwa die Waage halten, machen Reisen in Polarregionen extrem interessant. Einer der größten Gründe dafür ist die Chance auf Nordlichter, die im Sommer einfach deswegen nicht besteht, weil es nicht dunkel wird.

Island Nicht von dieser Welt
Farbexplosionen am Nachthimmel

Wie dir auch als Einsteiger großartige Nordlichtfotos gelingen, haben wir für dich in einem extra Artikel zusammengefasst.

Wann und wo du die größten Chancen auf Nordlichter hast, verraten wir dir hier!

Damit du deine Möglichkeiten, Nordlichter auf deiner Reise zu sehen, selbst besser einschätzen kannst, klären wir zunächst, was ein Nordlicht eigentlich ist und wie es entsteht.

 

Wie entstehen Polarlichter?

Polarlichter entstehen durch Sonnenwinde.
Sie sind zu sehen, wenn geladene Teilchen, Protonen und Elektronen, aus der Sonnenatmosphäre geschleudert werden. Normalerweise werden die Teilchen vom Erdmagnetfeld abgeschirmt, jedoch nicht an den Polen. Hier kollidieren sie mit den Gasen in der Erdatmosphäre, meist Sauerstoff und Stickstoff. Diese Kollision setzt Energie frei, welche in Form von Licht sichtbar wird. Welche Farbe das Licht hat – die meisten Nordlichter sind grün, aber es gibt auch gelbe, blaue, oder rote – hängt davon ab, in welcher Höhe und mit welchen Gasen die Teilchen kollidieren.

Eine ausführliche Erklärung hierzu kannst du auch auf Wikipedia finden.

Nordlichter fotografieren

Nordlichter und Südlichter

Polarlichter entstehen also sowohl rund um den Nord- als auch um den Südpol der Erde. Man unterscheidet daher Nordlichter (Aurora borealis) und Südlichter (Aurora australis).

Südlichter sind nur in der Antarktis sichtbar, die im Winter nur von Forschern besucht wird. Nordlichter allerdings können sowohl in Nordamerika als auch in Nordeuropa und in Sibirien beobachtet werden. Hier haben auch wir Nicht-Forscher die Möglichkeit, dieses Spektakel zu erleben.

Island Reise im Winter
Ein Mensch? Nein, eine Statue, die Tag und Nacht Ausschau hält.

Die Messung der Polarlichter

Die Stärke der Polarlichter wird über den KP-Index bestimmt. Diese Skala zeigt die Stärke der Sonnenwinde an und dient als Vorhersage für das Auftreten von Nordlichtern. Der Index geht von 1 bis 9. Je höher der Wert, desto stärker der geomagnetische Sturm und desto südlicher können die Nordlichter beobachtet werden.

Ab einem KP-Wert von 5 sind Polarlichterscheinungen in dunklen Nächten in Norddeutschland möglich, ab 7 in Süddeutschland. Diese Werte werden jedoch selten erreicht.

In nördlicheren Regionen wie Island oder Nord-Norwegen kann man Nordlichter schon ab einem KP-Wert von 2 beobachten.

Nordlichter fotografieren
Ein Nordlicht-Sturm der Stärke 7 über Island – fast zu viel für ein Foto

Sei über die KP-Werte informiert

Diese App zeigt dir den aktuellen KP-Index für deinen Standort (oder einen Ort deiner Wahl) sowie die Voraussage für die nächsten Tage. Wir nutzen sie auf allen unseren Nordreisen, ergänzt durch eine Aurora-Forecast-Website des jeweiligen Landes oder der Region.

Nordlicht-Vorhersage für Island auf http://en.vedur.is/weather/forecasts/aurora/

Die Polarlichtovale

Polarlichter treten meist in den Breitengraden rund um die magnetischen Pole der Erde auf. Diese Ringe um die Magnetpole werden als Polarlichtovale bezeichnet. Mit der Erdrotation ändert sich mit der Tageszeit die Lage der Polarlichtovale etwas.
Etwa im Umkreis von 2500 km um die Magnetpole kannst du mit hellen Polarlichtern rechnen.

Diese Seite  zeigt die aktuelle Ausbreitung des Polarlichtovals und wo die Polarlichter unter guten Wetter-Bedingungen zu sehen sind.

Polarlicht-Vorhersage auf https://www.spaceweatherlive.com/de/polarlicht/polarlichtoval

 

Wann hast du die größte Chance, auf Nordlichter zu treffen? Und wohin solltest du dafür am besten reisen?

1. Die Länder mit den höchsten Chancen

Es gibt sie auch in Mitteleuropa. Sehr, sehr selten. 2003 wurden Nordlichter sogar auf den Kanaren und in Griechenland gesichtet.
Generell ist die Chance, auf Polarlichter zu treffen, umso höher, je näher du am Nord- oder Südpol der Erde bist. Da sich Sichtungen der Südlichter auf die Antarktis beschränken, beziehen wir uns im Weiteren nur auf Nordlichter.
Je nördlicher die Region also liegt, desto höher sind die Chancen, Nordlichter zu sehen. Konkret gelten Sibirien, der Norden Norwegens (inkl. Lofoten), Finnlands und Schwedens, Island, Faröer, Grönland, Kanada und Alaska als vielversprechende Regionen für Nordlichter.
In diesen Regionen treten Nordlichter teils fast täglich auf – ob sie jedoch auch sichtbar sind, hängt von weiteren Faktoren ab.

Island Reise im Winter
Nordlichter über dem Kirkjufell auf Island (KP-Index 5)

2. Die beste Zeit

Nordlichter treten theoretisch das ganze Jahr über auf. In den Polarregionen wird es im Sommer jedoch fast bis gar nicht dunkel, weswegen es in den Monaten April/Mai bis August/September keine Chancen auf Nordlichter gibt.
Statistiken zeigen, dass gerade in den Früh- und Spätwintermonaten, also Oktober und März, helle Nordlichter besonders oft auftreten. Warum dieses so ist, ist noch nicht vollständig geklärt.
Auch weil im Oktober und März die Tage in den Polarregionen deutlich länger sind als im tiefsten Winter, empfehlen wir dir diese Zeiten für deine Reise. So machst du keine reine „Nordlicht“-Reise im Dunklen, sondern hast viele Möglichkeiten, das Land zu erkunden.

Das richtige Objektiv finden
Auch tagsüber gibt es im Polarwinter viel Überwältigendes zu erkunden – mache keine reine Nordlicht-Tour!

 

3. Das Wetter

Ohne das schlechte Wetter in den nördlichen Regionen wäre es so einfach!

Nordlichter treten beispielsweise in Island und Nord-Norwegen theoretisch etwa in 9 von 10 Nächten auf. Leider spielt aber auch das Wetter eine große Rolle: Wenn Wolken den Himmel verdecken, rauben dir diese jede Sicht.
Um Nordlichter sehen zu können, brauchst du einen klaren Himmel. Auch ein heller Vollmond schwächt das Nordlicht-Erlebnis deutlich ab. Plane deine Nordlicht-Reise also nicht zu kurz, um die Chance auf klare Nächte zu erhöhen und beobachte die Wettervorhersage, um klare Nächte nicht zu verpassen.

Island Reise im Winter
Schwache Nordlichter über Nord-Island

4. Die Tageszeit

Sobald es dunkel ist, kannst du mit Nordlichtern rechnen. Statistisch gesehen treten Nordlichter jedoch meist um Mitternacht auf. An klaren Abenden lohnt es sich also, die Aurora-Vorhersage zu checken und bei einer guten Prognose länger wach zu bleiben und eventuell an einen dunklen Ort zu fahren.

Nordlichter fotografieren
Nordlichter der Stärke 5 – sichtbar schon direkt nach dem Sonnenuntergang

5. Vermeide Städte

In unseren Tipps zur Nordlicht-Fotografie gehen wir ausführlicher darauf ein, aber auch generell ist wichtig: Je dunkler der Ort ist, an dem du bist, desto besser kannst du die Nordlichter sehen. Vermeide also Orte mit hoher Lichtverschmutzung, insbesondere Städte. Glücklicherweise sind die nördlichen Regionen unseres Planeten deutlich dünner besiedelt als Mitteleuropa, sodass du schon mit kurzen Fahrtzeiten gut aus jeder Stadtregion rauskommst.

Nordlichter fotografieren

 

Glück und Wissenschaft

Um Nordlichter zu sehen, brauchst du immer etwas Glück. Niemand kann das Auftreten der Lichter ganz genau vorhersagen und ein bewölkter Himmel verschleiert auch Nordlichter mit den höchsten KP-Werten. Andersrum kannst du auch Glück haben und ein starker Sonnensturm beschert dir eine Nordlicht-Sichtung vergleichsweise weit im Süden oder in einer nicht ganz dunklen Nacht.

Nordlichter fotografieren
Kaum war die Sonne verschwunden, überraschte uns dieser Abend mit herrlichen Nordlichtern

Wie für das Wetter gibt es auch für Nordlichter verschiedene Websites und kostenlose Apps, die dir helfen, einen Überblick zu kriegen und vielleicht dafür sorgen, dass du doch eine Stunde länger wachbleibst.

 

Diese Apps und Websites helfen dir bei der Nordlicht-Vorhersage

Nordlicht-Apps

Polarlicht Vorhersage Pro

Aurora Alerts

Aurora now

Aurora Forecast

Nordlichter fotografieren
Anfang April in Island: Grüne und magentafarbende Lichter erleuchten den Himmel

Allgemeine Websites

Aurora Service 

Aurora Forecast

 

Wetter-Apps

Weather Pro

Nordlichter fotografieren

 

Viele Länder mit guten Nordlicht-Chancen haben außerdem eine eigene Website, die über aktuelle Nordlichtstärken und Wetterverhältnisse informiert:

Websites nach Ländern/Region

Island

Norwegen

Kanada

Alaska

Nordlichter fotografieren

Zusammenfassung

Die höchste Chance auf Nordlichter hast du von September-März in den Polarregionen. Je weiter nördlich du bist, desto wahrscheinlicher ist die Aussicht auf Nordlichter. Statistisch am wahrscheinlichsten sind Nordlichtsichtungen im September/Oktober und März um Mitternacht herum. Ein wolkenloser Himmel und eine dunkle Nacht sind neben deinem Standort die wichtigsten Voraussetzungen.

Verwende Apps wie Polarlicht-Vorhersage Pro, um über aktuelle Sonnenstürme informiert zu sein und den aktuellen KP-Index zu sehen. Checke außerdem die Wettervorhersagen.

Übrigens: Deiner Kamera gelingt es mit einer Langzeitbelichtung, auch recht schwache Nordlichter darzustellen. Mit den richtigen Einstellungen werden deine Nordlichtfotos auch dann eindrucksvoll, wenn mit den Augen nur ein schwacher Schleier am Himmel zu sehen ist. In diesem Artikel zeigen wir dir, welches Equipment du für beeindruckende Nordlichtaufnahmen brauchst und welche Einstellungen die richtigen sind.

Nordlichter

Nordlichter zu sehen ist ein unbeschreibliches Erlebnis, das du nie in deinem Leben vergessen wirst. Wir wünschen dir viel Glück auf deiner Jagd und auch wenn es nicht klappt: Unvergessliche Aufenthalte in den winterlichen Polarregionen unserer Welt!

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Autor

Ich bin Sina, Mitbegründerin von Lichter der Welt, Fotografin und leidenschaftliche Weltenbummlerin. Ich liebe Natur, Freiheit, die Sonne auf meinem Gesicht und den Wind in meinen Haaren. Schon als Kind saß ich fasziniert vor dem Globus und malte mir aus, die Weite dieser Welt zu entdecken. Heute lebe ich diesen Traum und sammle Tipps, Inspirationen und Erfahrungen für dich!

2 Kommentare

  1. Liebe Sina,
    vielen Dank für diese ausführliche Übersicht. Ich habe die Nordlichter bereits auf den Lofoten gesehen. Es waren aber sicher nicht meine letzten :-). Deine Tipps helfen mir sicher bei unserer nächsten Nordlichter-Reise diese auch zu finden. Mal sehen, ob meine Fotos dann auch so schön werden.
    Liebe Grüße,
    Andrea

    • Sina Antworten

      Liebe Andrea,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar!
      Ich wünsche dir auf deiner nächsten Reise ganz viel Erfolg mit den Nordlichtfotos! Wenn du magst, zeig gerne mal welche, wir würden uns freuen!

      Liebe Grüße
      Sina

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