Warum wir am liebsten in der Nebensaison reisen

Früher haben wir es gemacht wie alle anderen auch.
Wir haben geschaut, wann die „beste Reisezeit“, also die Hauptsaison, für unser Reiseziel ist und haben dann für diese Zeit gebucht.
Wenn wir Urlaub hatten, aber kein Ziel, haben wir das Ziel danach ausgewählt, welches gerade Hauptsaison hat. Reisen in der Nebensaison erschien uns komplett unattraktiv, wir verbanden es mit Regen und Kälte. „Reisen in der Nebensaison“ war für uns quasi Deutschland im November. Geht gar nicht.

Nebensaison ist nicht Kälte und Regen!

Weißt du, was in Deutschland wirklich die Nebensaison ist? Mai, Anfang Juni und September. Also die vielleicht schönsten Monate.

Unsere ersten Reisen in der Nebensaison waren dann „aus Versehen“. Wir waren zu kurzfristig dran, es war in der Hauptsaison nichts mehr frei. Oder wir konnten uns die Hauptsaison nicht leisten. Oder unsere Planung machte es anders einfach unmöglich.

So landeten wir im Oktober 2013 in Island.
Im Dezember 2013 in Kalifornien.
Im September 2014 in Nord-Norwegen.
Im April 2015 in der Provence.

Und weißt du was? Es war gigantisch. Nicht „trotz“ der Nebensaison, sondern genau deswegen!

Die Hauptsaison hat den Vorteil, dass es an den Reisezielen meist mehr kulturelle Angebote gibt. Es ist alles geöffnet, es gibt sehr viel Unterhaltung. In den großen Hotels gibt es Animateure usw., alles ist sehr lebendig.
Nun. Das alles ist für unsere (!) Art des Reisens nicht besonders relevant.

Wir haben uns in das Reisen in der Nebensaison verliebt. Wann immer möglich, reisen wir mittlerweile off-season. Wir zeigen dir, warum – und warum du selbst das unbedingt auch mal probieren solltest!

Roadtrip Frankreich Fotos
Genauso schön und sonnig, aber total entspannt: Südfrankreich in der Nebensaison (April)

Reisen in der Nebensaison – 7 riesige Vorteile

1.    Du zahlst in der Nebensaison oft nur die Hälfte

Das ist das nächstliegende Argument (allerdings nichtmal das beste, siehe unten!), das du wohl schon kennen wirst: Außerhalb der Hochsaison kostet deine Reise oft viiiel weniger. Du kennst das: Schau dir mal an, wie die Preise für Flüge, Unterkünfte etc. in den Sommerferien anziehen! An den anderen Enden der Welt ist es genauso. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, und wenn die Nachfrage zur Hauptsaison sehr hoch ist, sind es die Preise natürlich auch. Du zahlst für Unterkünfte, Transport und Ausflüge in der Nebensaison fast immer bedeutend weniger. Das macht bei uns oft so viel aus, dass wir in der Nebensaison mehrere Wochen länger bleiben können, als wir es in der Hauptsaison könnten!

Grand Canyon
Lange, entspannte Reisen sind für uns nur möglich, weil wir in der Nebensaison reisen und dann bedeutend weniger zahlen

2.    Die Orte sind nicht überfüllt, du kannst dich wunderbar entspannt und frei bewegen

Was uns am Reisen in der Hauptsaison am meisten nervt, ist die Vollheit. Weißt du, wie voll es zur Lavendelblüte in der Provence ist? Warst du mal im August an der Ostsee? Kennst du New York zur Vorweihnachts-Shoppingzeit?
Überall ist alles voller Menschen. Man steht im Stau, man drängelt sich. Touristen versauen dir jedes Foto, alles ist irgendwie viel zu eng und viel zu nervig.
Man verbindet die Vollheit mit diesem Ort, denkt es ist hier halt immer so.
Ist es nicht.

Nur zwei Wochen später sieht es meist völlig anders aus, und du hast diesen tollen Ort (bei gleichem Wetter und für den halben Preis!) für dich alleine. Wir waren im September – Nebensaison in Norwegen – stundenlang völlig alleine (wörtlich genommen!) am Nordkap – während man drei Wochen vorher im August noch in einer kilometerlangen Auto- und Buskolonne hier hoch gefahren ist. Ausnahmslos jeder hat uns davon abgeraten, weil die Vollheit den magischen Ort und das Gefühl zerstört. Jetzt in der Nebensaison war es ein unbeschreibliches Erlebnis, hier am „Ende der Welt“.

Nordkap Tour Camper
Der einzige Mensch an einem Touristenort – das ist nur beim Reisen in der Nebensaison möglich (Nordkap, Norwegen)

Wir kennen die endlos langen, freien Küstenstraßen der Côte d’Azur im April – und wir kennen die gleichen Straßen mit ewigen Staus im Juli. Wir kennen die kanadische Wildnis im Oktober – und die, wo du zwei Monate vorher für jedes Foto des Sees ewig anstehen musst. Wir kennen überfüllte Touren, genervte Einheimische, überbuchte Hotels. Ganz oft war es uns irgendwo einfach viel zu voll und viel zu nervig – seit wir in der Nebensaison reisen, kommt das fast gar nicht mehr vor.

reisen-nebensaison
Absolute Überfüllung an tollen Spots – wir hassen das und wollen das unbedingt vermeiden (Brücke vor Neuschwanstein, Deutschland)

3.    Du unterstützt die Menschen vor Ort

In der Hauptsaison leben die Menschen an den Reisezielen oft vom Tourismus. Die Nachfrage nach Unterkünften, Transport, Touren etc. ist riesig und muss bedient werden. Schon ab der Nebensaison steht aber vieles leer, Touren sind kaum noch besetzt (wie wundervoll für uns als Reisende!). Die Menschen vor Ort kämpfen, um bis zur nächsten Saison durchzukommen, viele verlieren ihre Jobs.
Reist du in der Nebensaison, unterstützt du die Menschen vor Ort – ohne, dass sie noch größere Hotels bauen, noch mehr Touren aus dem Boden stampfen müssen.

Thailand Reise Markt
Reisen außerhalb der Hauptsaison unterstützt die Menschen vor Ort nachhaltig und ausgewogen

4.    Du reist viel nachhaltiger und schonender

Machen wir uns nichts vor – Reisen ist nicht gerade das umweltfreundlichste Hobby. Unter viel Tourismus leiden Natur und Tiere, aber auch Menschen und Kultur der Reiseziele. Jeder, der in der Hauptsaison reist, verstärkt dieses Problem. Wenn mehr Touristen da sind, wird mehr Infrastruktur benötigt, mehr Unterkünfte, mehr Angebote. Reist du in der Nebensaison, nutzt du einfach die wegen der Hauptsaison eh schon vorhandenen Unterkünfte, Touren und Strukturen. Du sorgst in der Nebensaison nicht dafür, dass alles vergrößert und auf Massentourismus ausgelegt werden muss, sondern sorgst für eine ausgeglichenere und damit viel schonendere und nachhaltigere Nutzung der touristischen Infrastruktur.

Massentourismus macht Reiseziele kaputt – mit dem Reisen in der Nebensaison sorgst du dafür, dass du kein Teil davon bist.

reisen-nebensaison
Massentourismus zerstört Orte, Landschaften, Natur und Kultur. Reist du in der Nebensaison, bist du kein Teil davon

5.    Du erlebst deine Reiseziele authentischer

Dein Reiseziel ist viiiel mehr als Tourismus! In der Nebensaison kannst du dein Reiseziel viel authentischer erleben. Während es in der Hauptsaison von Touristen oft überall nur so wimmelt (warst du mal in einem kleinen Mittelmeerörtchen, während 10 riesige Kreuzfahrtschiffe davor anlegen?), erlebst du deinen Ort in der Nebensaison so, wie er wirklich ist. Die Einheimischen sind in der Regel viel entspannter, freundlicher und aufgeschlossener, denn du gehörst nicht zum „Touri-Pulk“. Du kannst Begenungen machen, die du in der Hauptsaison so nie machen würdest. Einheimische sind interessiert („warum seid ihr in der Regenzeit in Panama?“, „wie cool, dass ihr euch Island im Winter anschaut!“ (Disclaimer: Island ist mittlerweile auch im Winter überlaufen, eine echte Off-Season gibt es hier nicht mehr.)) Du reist gefühlt viel näher am „echten“ Ort. Du siehst, wie es hier ohne Tourismus ist – also 10 der 12 Monate im Jahr.

San Diego Strand
Authentisch und echt mit einheimischen Kindern am Strand, statt Liege an Liege mit All-inclusive-Touristen (San Diego, USA)

6.    Das Wetter ist gar nicht schlechter – manchmal sogar viiiel angenehmer!

„Aber das Wetter!!!“ Wenn wir erzählen, dass wir in der Nebensaison reisen, kriegen wir manchmal mitleidige Blicke. Das Wetter!!
Jetzt mal ehrlich. Ist in Deutschland im Mai und September das Wetter schlecht?
Glaubst du, eine Woche nach Ende der Sommerferien schüttet es auf einmal nur noch?

In der Nebensaison hast du etwa 85% des Wetters der Hauptsaison – und auch in der kann es übrigens mal so richtig, richtig schlecht sein. In allen Regionen mit unserem Klima kannst du völlig problemlos in der Nebensaison reisen und wirst so gut wie keinen Unterschied merken. Und in den Tropen?

„Regenzeit“ heißt in den meisten tropischen Regionen, dass es etwa 30-60 Minuten am Tag so richtig schön regnet. Warmen Sommerregen natürlich. Wegen der Hitze ist wenige Minuten später alles wieder trocken. Die Natur ist herrlich erfrischt, duftet unglaublich gut nach Sommerregen, alles ist grün und blüht.
„Regenzeit“ klingt für uns Europäer nach mindestens 20 Stunden Dauerregen bei 5°C. So ist das nicht. Nichtmal ansatzweise.

Turtle Beach Bastimentos
Leere Strände, wunderschönes Wetter und alles sooo grün – so kann Reisen in der Nebensaison aussehen (Bocas del Toro, Panama)
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Heiße Reiseziele finden wir in der Nebensaison meist vom Wetter her sogar viel angenehmer. Im November hatten wir in Los Angeles noch 30°C – statt 40. Und ehrlich, willst du dir bei 40°C eine Stadt anschauen? Wir fuhren im Dezember bei wunderschönen 25°C und blauem Himmel durch das Death Valley – völlig alleine. Im Sommer (Hauptsaison) kannst du hier wegen der brütenden Hitze gar nicht aus dem Auto aussteigen. Wir lieben die 23°C Südfrankreichs im April – und hassen die stehenden 35°C im Juli – wenn jeder hier ist und man sich nicht bewegen möchte.

Ja. Manchmal regnet es in der Nebensaison. Tut es in der Hauptsaison auch. Wir hatten noch nicht eine Nebensaison-Reise mit schlechtem Wetter – aber schon viele viel zu heiße Hauptsaisonreisen.

Panama Nebensaison
Zum Fotografieren ist das Wetter in der Nebensaison oft sogar viel besser geeignet (Altos de Campana, Panama)

7.    Nichts ist ausgebucht und du musst nicht weit vorher planen

Während du in der Hauptreisezeit Unterkünfte, Mietwagen, aber auch z. B. Fähren etc. schon weiter im Voraus buchen musst, bist du in der Nebensaison hier viel freier und flexibler. Tolle Hotels sind nicht ausgebucht, günstige Wohnmobile oder Mietwagen noch zu kriegen und du musst dich nicht vorher um alles kümmern. Reisen in der Nebensaison ist perfekt auch für Kurzentschlossene.

Reisen wir in der Nebensaison, buchen wir Unterkünfte normalerweise nicht vor, weil sowieso alles frei ist. So können wir uns einfach treiben lassen und spontan entscheiden. Wir haben in der Nebensaison schon seeehr großartige Hotelzimmer bekommen, coole Touren, die du in der Hauptsaison monatelang vorher buchen musst und vieles mehr.

Roadtrip USA
Leere Straßen, leere Hotels – und auch leere Fotospots. 25 °C und Sonne sind trotzdem! (Monument Valley, USA)

Du siehst: Für uns bringt das Reisen in der Nebensaison viele tolle Vorteile mit sich. Wir hören oft das Argument „aber ich bin auf die Schulferien angewiesen“. Tatsächlich schränkt das natürlich ein – aber es zwingt dich nicht, im Sommer in europäische Ziele zu reisen.  Die Oster- und Herbstferien sind toll für Ziele am Mittelmeer, aber auch zum Reisen in nord- oder osteuropäische Länder und für Urlaub in Deutschland. Die langen Sommerferien kannst du dann wunderbar für Fernreiseziele nutzen – und irgendwo hinfliegen, wo dort gerade dann nicht Saison ist.

Wir sind gespannt: Warst du schon einmal off-season unterwegs oder reist du sogar regelmäßig in der Nebensaison? Wie sind deine Erfahrungen? Oder wäre das mal was für dich? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Autor

Ich bin Sina, Mitbegründerin von Lichter der Welt, Fotografin und leidenschaftliche Weltenbummlerin. Ich liebe Natur, Freiheit, die Sonne auf meinem Gesicht und den Wind in meinen Haaren. Schon als Kind saß ich fasziniert vor dem Globus und malte mir aus, die Weite dieser Welt zu entdecken. Heute lebe ich diesen Traum und sammle Tipps, Inspirationen und Erfahrungen für dich!

7 Kommentare

  1. Liebe Sina und lieber Jan,
    wir reisen schon lange off-season. Und haben genau die gleichen Eindrücke wie ihr gewonnen.
    Leerere Strände, dafür mehr Locals.
    Besserer Service, dafür weniger teuer.
    Besseres Fotografierlicht und oftmals interessantere Motive.
    Insgesamt alles lässiger und authentischer.
    Liebe Grüße
    Dagmar

    • Sina Antworten

      Liebe Dagmar,
      oh ja, wir geben euch total recht! Die Nebensaison ist so viel entspannter, echter, für uns einfach schöner ❤️

      Ganz liebe Grüße an euch
      Sina

  2. Liebe Sina, lieber Jan,
    eure Erfahrungen aus der Nebensaison klingen richtig gut. Leider sind wir wegen des Berufs meines Partners an die Ferienzeiten gebunden. Das hat nicht nur den Nachteil, dass es eigentlich überall voll und teuer ist. Manche Reiseziele fallen für uns so auch gleich weg, da dort dann zum Beispiel Regenzeit ist. Ich freue mich also schon jetzt darauf, wenn wir irgendwann einmal frei planen können. Mit Sicherheit wird das heißen, auf die Nebensaison auszuweichen.
    Liebe Grüße
    Martina

    • Sina Antworten

      Liebe Martina,
      danke für deinen Kommentar 🙂

      Du schreibst „Manche Reiseziele fallen für uns so auch gleich weg, da dort dann zum Beispiel Regenzeit ist“ – aber genau das ist doch das „außerhalb der Hauptsaison reisen“ 🙂 Wir meinen damit nicht, dass in Deutschland keine Hauptsaison sein soll – sondern eben im Reiseland 🙂
      „Regenzeit“ bedeutet in den meisten Ländern ja nicht, dass es dort den ganzen Tag regnet – meistens regnet es etwa eine Stunde am Tag zu einer bestimmten Uhrzeit (aber warmer Sommerregen, der einfach alles total erfrischt!) und danach ist es wieder schön. Das kann man ja super vorher recherchieren, wie viel es wirklich regnet. Wir mögen die Regenzeit oft viel lieber, weil dann nichts los ist und die Natur herrlich grün und frisch (und es ist eben trotzdem meist trocken). Habt ihr das mal ausprobiert? 🙂
      Ich habe eine Zeit lang als Lehrerin gearbeitet und mich hat die Festlegung auf die Ferienzeiten enorm gestört. Aber wenn man dann außerhalb „unserer Gefilde“ unterwegs ist, ist es plötzlich gar nicht mehr voll und teuer 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Sina

    • Liebe Martina, liebe Sina, lieber Jan,

      wir waren bis vor 2 Jahren auch an die Ferienzeit gebunden und haben trotzdem alles bereist, was wir wollten. Die Off-Season ist klasse, weil viel billiger und weniger Menschen. Vor 10 Jahren in Costa Rica hatten wir in der Regenzeit wirklich viel Regen (laut Aussage der Einheimischen so viel wie schon seit jahren nicht mehr), aber es war warm und wir haben uns davon nicht stören lassen. Mit Regenjacke und Sandalen konnte man auch schöne Unternehmungen machen. In Peru war das Wetter im Juli sogar besser als zur Hauptreisezeit. Nächstes Jahr soll es im Juni nach Panama gehen, auch in der Regenzeit, und wir sind gespannt wie es dort wird. Wir lassen uns davon nicht abschrecken.

      Liebe Grüße,
      Sylvia

      • Sina Antworten

        Hey Sylvia,
        ach wie schön, das klingt nach tollen Erfahrungen! Ja, auch wenn man an die Ferienzeiten gebunden ist, kann man Off-Season reisen – nur weil hier Hauptsaison wäre, ist es das ja zB in Mittelamerika, Asien oder Australien noch lange nicht 🙂 Panama gefällt euch bestimmt richtig gut – melde dich, wenn du Tipps dafür brauchst!

        Liebe Grüße
        Sina

  3. Liebe Sina,

    hab vielen Dank für das Angebot bzgl. der Tipps. Da werden wir bestimmt auf euch zukommen und uns dann direkt über das Kontaktformular (oder gibt es noch eine e-Mail-Adresse?) melden. Wir sind gerade noch bei der Terminfindung, da unsere dann 19-jährige Tochter gestern angemeldet hat, vielleicht doch nochmal mitkommen zu wollen, und dann könnten wir erst Anfang Juli fahren.
    Wir wollen in Panama übrigens ein Auto mieten und selbst fahren. Was meinst du, brauchen wir für die Regenzeit ein Allrad-Auto? Wir wollen viel wandern und ich weiß nicht ob es dann besser ist, weil wir sonst nicht zu den Wanderwegen kommen.
    Könnt ihr uns eine Autovermietung empfehlen?
    Du kannst mir auch direkt an meine Mailadresse schreiben.

    Liebe Grüße und vielen Dank,
    Sylvia

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