Wenn du mit der Fotografie anfängst, ist da erstmal ganz viel Chaos.

Der Objektivmarkt ist riesig. Undurchsichtig. Kompliziert. Voller Abkürzungen und mysteriösen Zahlen. Scheinbar überschwemmt von hunderten Anbietern. Absolut unübersichtlich. Und allgemein viel zu teuer.

Wenn du einen Profi fragst, oder jemanden, der schon länger dabei ist, welches Objektiv du dir kaufen sollst, kommt so gut wie immer diese Antwort:

Was willst du denn damit machen?

„Fotografieren!!“, denkst du.

„Und was?“

„Alles!“

„Wie hoch ist dein Budget?“

„So hoch, wie es eben sein muss. Aber nicht höher!“

Wir haben diese Unterhaltung dutzende Male geführt. Früher auf der Frager-, heute auf der Antworterseite. Sie ist immer schwierig, weil beide Seiten sich so schlecht verstehen.

Fotografieren Anfänger Fehler

Der Antworter kennt den Markt. Er kennt Vor- und Nachteile der Objektive. Er weiß, dass du mit einem Landschaftsobjektiv keine Wildtiere fotografieren kannst. Mit einem Makroobjektiv keinen Sport. Er weiß, dass ein Funken mehr Qualität meist hunderte oder tausende Euro mehr kostet und dir das wert sein muss. Er weiß, dass der Grund für die vielen hundert Objektive auf dem Markt das Problem ist, dass alles in einem nicht geht und jedes Objektiv ein Kompromiss zwischen Flexibilität, Lichtstärke, Abbildungsleistung, Qualität und Preis ist.

Der Frager will das aber alles nicht wissen. Er will das, was wir alle wollen: Einfach fotografieren. Alles. Machen die anderen doch auch. Die Kamera war teuer genug.

Wenn der Frager mit der Fotografie anfängt, weiß er nicht, welchen Schwerpunkt er mal haben wird. Er weiß nicht, ob es ihm mehr Spaß macht, Insekten, Fußball oder Feuerwerk zu fotografieren. Er will das Objektiv für Reisen, für Bilder vom Strand und den Bergen und auch den Tropenvogel oben im Baum fotografieren. Und wenn er nachts mal eine Skyline, die Milchstraße oder Nordlichter sieht, sollte das Objektiv auch das gut hinkriegen. Wie auch immer das geht.

Einer der großen Vorteile von Spiegelreflexkameras ist, dass es für jedes Motiv das passende Objektiv gibt. Für Anfänger ist das aber auch einer der größten Nachteile, denn dieser Fakt ist schlicht überfordernd. Anfänger haben weder das Wissen, all die technischen Bezeichnungen zu verstehen noch eine Ahnung, in welche Richtung sich die Fotografie bei ihnen überhaupt entwickeln wird.

Das richtige Objektiv finden

Es gibt verschiede Empfehlungen für Anfänger.

Die erste lautet: Kauf dir ein Superzoom!

Als Superzooms werden sehr flexible Objektive mit einem sehr hohen Brennweitenumfang bezeichnet. Du kannst mit ihnen sehr weit raus und sehr weit reinzoomen. Superzooms sind vergleichsweise günstig und platzsparend.

Wir raten von Superzooms ab, weil die Bildqualität bei ihnen leider sehr auf der Strecke bleibt. Wir kennen viele Leute, die sich ein Superzoom gekauft und schnell wieder mit der Fotografie aufgehört haben, weil es ihnen keinen Spaß gemacht hat. Macht es damit auch nicht. Ein Superzoom bereichert deine Fotografie nicht, es macht sie fade, langweilig und uninteressant. Du wirst dich über unscharfe Bilder ärgern und die Kamera immer seltener mitnehmen.

Links ist ein Bild, was wir mit einem Superzoom gemacht haben, rechts ein gleichzeitig entstandenes Bild der gleichen Szenerie, welches mit dem sehr guten Canon 70-200mm 1:4,0 L IS USM aufgenommen wurde. Beide Objektive waren an Einsteiger-Kameras und die Bildbearbeitung ist identisch!

Schau dir nicht nur die Farben an, sondern klicke auch auf die Bilder, um die Bildqualität zu vergleichen! Rate, welches Objektiv dich frustrieren wird, und mit welchem du richtig Spaß hast!

 

Die völlig gegenteilige Empfehlung ist: Kauf dir eine Festbrennweite!

Festbrennweiten erlauben überhaupt keinen Zoom, sie sind also sehr unflexibel. Der Bildlook ist dafür fantastisch und die hohe Lichtstärke eröffnet dir sehr viele Möglichkeiten. Wenn du mit der Fotografie anfängst, ist eine Festbrennweite von 20-30mm (Schwerpunkt auf Landschaften) oder 50mm (Schwerpunkt auf Portraits und Details) ideal für dich. Hier ist unser Artikel über die beste und gleichzeitig günstigste Festbrennweite für Einsteiger.

Beispielbild Canon 50mm 1,8

 

Der Mittelweg: Kauf dir ein Standardzoom

Unsere Empfehlung für Einsteiger ist: Kauf dir ein vernünftiges Standardzoom. Am allerbesten dieses hier.
Ein Standardzoom-Objektiv deckt den mittleren Brennweitenbereich ab. Das heißt, dass du hiermit sowohl Landschafts- als auch Portraitfotos machen kannst und für die meisten Bereiche gewappnet bist, die dir zuerst und auf Reisen begegnen. Im Gegensatz zu Superzooms bietet ein gutes Standardzoom eine gute Bildqualität und Lichtstärke und eröffnet dir viele Bereiche der Fotografie – und vor allem: Eine Menge Spaß daran.

Um in die Fotografie einzusteigen, reicht zuerst dieses eine Objektiv aus. Du lernst damit deutlich mehr, als wenn du gleich zu viele Objektive hast und kannst dich hierauf konzentrieren.

Wenn du nicht schon weißt, dass du hauptsächlich Tiere oder Sport fotografieren willst (dann brauchst du ein Objektiv mit mehr Brennweite, beispielsweise das Canon 70-200mm oder das 70-300mm), ist das Standardzoom ein idealer Begleiter für dich.

Auch die Palette an Standardzoom-Objektiven ist für den Einsteiger unüberschaubar groß. Wir haben in jahrzehntelanger Fotografie in allen Bereichen das beste Standardobjektiv gefunden, das trotzdem noch bezahlbar ist. Du bekommst es sowohl für Canon- als auch Nikon-, Pentax- und Sonykameras:

Das Sigma 17-70m f/2.8-4.0.

Beispielbild Sigma 17-70

 

Wie du DEINEN Fotografie-Schwerpunkt findest und herausfindest, welches Objektiv das richtige für dich ist

Fotografiere mit deinem Standardzoom-Objektiv etwa ein Jahr lang.

Lerne deine Kamera und die Technik kennen und entwickle ein Auge für großartige Fotos. Unser kostenloses E-Book hilft dir dabei!

Nimm dein Standardzoom mit auf Reisen und fotografiere auch zu Hause alles, was dir gefällt. Das Ziel ist es, deinen persönlichen Schwerpunkt zu finden und auszuloten, welcher Bereich der Fotografie dir besonders viel Spaß macht.

Um die Fotografie zu entdecken und herauszufinden, welche Bereiche dich am meisten begeistern, haben wir eine Liste zusammengestellt. Sie eignet sich auch perfekt, um den Spaß an der Fotografie wiederzufinden und neue Gebiete zu erkunden.

Das richtige Objektiv finden

Hier ist sie, deine ultimative Foto-Challenge für dein erstes (oder nächstes!) Jahr!

Nimm dir die Zeit, in deinem ersten Jahr mit dem Standardzoom Folgendes zu fotografieren. Achte bei allen Punkten auf so viel Einsatz und so viel Spaß wie möglich!

  1. Reise mindestens für ein Wochenende an die Küste oder in die Berge und mache Landschaftsfotos.
  2. Mache Portraitfotos von einem Freund oder einer Freundin.
  3. Besuche ein Sportevent deiner Wahl und fotografiere sowohl die Sportler in Bewegung als auch die Szenen und Atmosphäre des Events.
  4. Gehe auf eine Blumenwiese und fotografiere Blüten-Makros. Mache außerdem Makroaufnahmen der Schmetterlinge, Hummeln und anderer Insekten, die du siehst.
  5. Fahre in eine Stadt und fotografiere Straßen-Szenen. Mach sowohl Fotos von Gebäuden als auch von Menschen. Probiere Schwarz-Weiß-Fotografie.
  6. Kaufe oder leihe dir ein Stativ (wir empfehlen dir dieses hier mit diesem Kugelkopf) oder alternativ ein Bohnensäckchen zum Ablegen der Kamera. Gehe nachts raus und mache Langzeitbelichtungen von vorbeifahrenden Autos, der Stadt und – wenn möglich – dem Sternenhimmel.
  7. Baue Stillleben oder gehe in einen Park und mache abstrakte Bilder mit interessantem Schärfeverlauf. Setze dir immer wieder das Ziel, dass auf deinem Bild nicht erkennbar ist, welches Motiv du fotografiert hast, das Bild aber trotzdem ansprechend ist.
  8. Fahre an einen Flughafen oder Bahnhof oder besuche ein Technikmuseum und fotografiere die Maschinen und Flugzeuge/Züge. Versuche auch Bewegungen in deine Bilder einzubauen (Bewegungsunschärfe, Mitzieher).
  9. Wenn es dir möglich ist, leihe dir ein Telezoom (mindestens bis 200mm) und fotografiere eine Katze oder einen Hund sowohl entspannt als auch in Bewegung. Hast du nur dein Standardzoom, versuche es damit!

Fotografieren iPhone

Mit einem guten Standardzoom kannst du all diese Bereiche der Fotografie erkunden. Es ist universell und eignet sich perfekt für diese Zeit und deinen Einstieg in die Fotografie.

Schon nach den ersten Wochen oder Monaten wirst du merken, dass dir einige Bereiche der Fotografie besonders viel Spaß machen. Du wirst differenziertere Interessen entwickeln und mehr in die Tiefe gehen. Wenn dir die Eventfotografie Spaß gemacht hat, nimm die Kamera vielleicht mal mit zu eine kleineren Konzert? Wenn sowohl die Straßen- als auch die Sportfotografie deine Favoriten waren, fotografiere mal die Skater im Park und mache aus interessanten Perspektiven coole schwarz-weiß-Bilder. Wenn die Landschaftsfotografie dein Ding ist, lerne mehr darüber und fotografiere zu besseren Zeiten und mit interessantem Bildaufbau. Schon bald wirst du Schwerpunkte entwickeln und gar nicht mehr „alles“ fotografieren wollen.

Beispielbild Canon 50mm 1,8

Analysiere jetzt die Bilder, die dir am besten gefallen. Was gefällt dir daran? Welche Brennweite hast du benutzt?

Meist ergibt sich schon nach einigen Monaten eine Tendenz. Wenn du merkst, dass du meist am oberen Brennweitenbereich fotografierst und dir dein Standard-Zoom oft zu „kurz“ ist, ist ein Teleobjektiv wahrscheinlich das richtige für dich.

Kamst du bisher mit der Lichtstärke gut hin, kannst du wieder in einem ähnlichen Bereich suchen. Bist du hier an deine Grenzen gestoßen, suche nach einem lichtstärkeren Objektiv in deinem Bereich.

Wenn du gerne Portraits machst und auf schöne Unschärfeverläufe stehst, ist eine lichtstarke 50mm oder 85mm Festbrennweite wahrscheinlich ideal für dich. Siehst du dich eher in der Straßen- oder Landschaftsfotografie, suche nach einem guten Weitwinkelobjektiv.

Vielleicht war aber auch schon das Standardzoom perfekt für dich?

Wenn du jetzt wieder auf der Suche nach einem Objektiv bist, kaufe jetzt nach deinen Bedürfnissen und nicht mehr nach „Allgemeinempfehlungen für Einsteiger“. Es wird dir extrem viel bringen und du wirst deine Fotografie enorm verbessern. Du hast deine Nische gefunden und wirst jetzt die blöde Gegenfrage vom Anfang „was willst du denn fotografieren?“ verstehen – und neue Einsteiger vielleicht sogar selbst fragen.

Das richtige Objektiv finden

In diesem Jahr des Ausprobierens wirst du unheimlich viel entdecken. Du wirst die Technik und deine Vorlieben kennenlernen, aber, was noch viel wichtiger ist: Du wirst auch sehen lernen und ein Auge für das Motiv entwickeln. Dieses wird dich und deine Fotografie noch viel weiter voranbringen als das perfekte Objektiv.

Wir hoffen, dass wir dir beim Finden deines idealen Objektivs ein großes Stück helfen konnten. Natürlich sind wir auch neugierig: Was ist dein perfektes Objektiv? Wie hast du zu ihm gefunden? Wir freuen uns auf deinen Kommentar und beantworten natürlich wie immer alle Fragen!

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Autor

Ich bin Sina, Mitbegründerin von Lichter der Welt, Fotografin und leidenschaftliche Weltenbummlerin. Ich liebe Natur, Freiheit, die Sonne auf meinem Gesicht und den Wind in meinen Haaren. Schon als Kind saß ich fasziniert vor dem Globus und malte mir aus, die Weite dieser Welt zu entdecken. Heute lebe ich diesen Traum und sammle Tipps, Inspirationen und Erfahrungen für dich!

2 Kommentare

  1. Hi Sina,
    toller Artikel und sehr ansprechende Bilder 🙂 auswerten der aktuellen Bilder wird leider nicht viel bringen… Meine Erfahrung ist, dass man immer die Ober- und Untergrenze des Objektives am meisten benutzt. Wenn du ein 24-70mm Objektiv benutzt, hast du wahrscheinlich zu 90 % die meisten und schönsten Bilder mit 24mm und mit 70mm gemacht 😉 Vielleicht würde es einigen suchenden Nutzen, wenn du unter deinen Bildern die Brennweite und Lichtstärke angibst 🙂

    Cheers
    Mark

    • Sina Antworten

      Hey Mark,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Erstmal danke für dein Lob 🙂
      Wir selbst nutzen nicht hauptsächlich die Ober- und Untergrenzen unserer Objektive. Wenn das aber bei jemandem so ist, scheint ja dann ein Weitwinkel- und ein Teleobjektiv das richtige zu sein.

      Wir werden auf jeden Fall darüber nachdenken, die Exifs zu unseren Bildern anzugeben. Danke für die Anregung 🙂

      Liebe Grüße
      Sina

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